DANN IST ES ANDERS
Als der Hodscha als Kadi arbeitete kam ein Mann zu ihm :
“Hodscha Efendi” sagte er, “ich will euch um ein Rat bitten.”
“Nun frag” sagte der Hodscha, und der Mann fuhr fort.
“Gestern hat eine Kuh, die wohl ihnen gehört, im Getreidefeld meiner
Kuh in den Bauch geschlagen und es getötet. Was soll
ich jetzt machen?
Nachdem der Hodscha mit seinem Bart spielend eine kurze Zeit nachgedacht
hat:
“Tja, es ist nun einmal ein Tier... Du wirst es ja doch nicht anklagen!”
“Danke Kadi Efendi.”
- Sein Besitzer hat auch kein Schuld daran, wie sollte er wissen, daß
sowas geschehen würde
Der man fing an zu grinsen als er wieder zum Worte greifte:
- Verzeih mir Kadi Efendi, ich habe mich eben getäuscht: dein Kuh ist
gestorben und nicht meine.
Nachdem sich Hodscha aufrichtete:
- Aha, nun ist die Sache anders. So gibt mir nun das schwarze Buch
aus dem Regal und las mich mal nachschlagen!
DER ESEL DES GUTSVERWALTERS
Der Gutsverwalter, dessen Esel verloren ging regte sich auf:
“Schnell, findet meinen Esel wieder, sonst träge ich keine Verantwortung
für das, was geschehen wird!” schrie er.
Alle gerieten in Angst und Schrecken. Die Leute von Akþehir, die quer
durch die Gegend liefen um den Esel zu finden, trafen
den Hodscha:
“Hodscha, kannst du uns helfen?. Solltest du unterwegs einen besitzerlosen
Esel sehen, bitte fang ihn für uns ein.”
“Wem gehört der Esel?”
“Dem Gutsverwalter” sagten sie. Und der Hodscha antwortete: “Gut, ich
werde euch Suchen helfen.” Und ging seinen Weg singend
weiter.
Ein Dorfbewohner, der ihm begegnete, fragte ihm:
“Warum singst du Hodscha Efendi?”
Darauf antwortete der Hodscha:
“Ich suche den verlorenen Esel des Gutsverwalters.”
Er fragte nochmals:
“Ja aber, man sucht doch einen Esel nicht singend, Hodscha?”
“Ein Fremder sucht den Esel eines Fremden eben singend, und hauptsächlich
wenn es dem Gutsverwalter gehört!...”
WARUM ER AUF DEN ESEL VERKEHRTRUM
SASS
Als der Hodscha eines Tages auf
seinem Esel von der Moschee nach Hause zurückkehrte
und einige Leute ihm folgten, blieb er plötzlich stehen
und setzte sich den Gesicht nach hinten gedreht auf
den Esel; er setze sich also auf den Sattel verkehrtrum.
Die Leute, die das sahen fragten den Hodscha nach
dem Grund. Dieser antwortete:
“Ich habe lange darüber nachgedacht und habe beschlossen mich so auf
mein Esel zu setzen, denn ich mag keine Grobheiten.
Wenn ihr vor mir gehen würdet, dann würdet ihr eure
Rücken zu mir drehen; das wäre nicht höflich. Und
wenn ich vor euch gehen würe, dann würde ich euch
meinen Rücken zudrehen, auch das wäre nicht angepaßt.
Wenn ich so umgekehrt auf dem Esel sitze, bin ich
vor euch und ihr nicht hinter mir und stehen uns doch
gegenüber!”
DIE TONLAGE HABE ICH GEFUNDEN
In einer Versammlung unter Freunden
drückte man den Hodscha zum Scherz eine Gitarre in
die Hand.
“Los Hodscha, spiel doch etwas schönes
für uns!”
Als der Hodscha die Gitarre in die
Hand nahm, bewegte er den Schlagring hoch und runter,
so daß unheimliche Töne herauskamen.
“Ohhh Hodscha” sagten sie “spielt
man denn so die Gitarre? Man muß doch auf die Tonlage
nach der Art hoch und runter gehen.”
Und der Hodscha antwortete darauf
indem er weiter auf der Gitarre spielte und dazu lachte:
“Die sind nicht dazu fähig die Tonlage
zu finden, deswegen laufen sie wie Wild hoch und runter.
Sieh, ich habe sie gefunden, warum soll ich sie noch
weiter suchen.”