DAS FAULE MÄDCHEN
Es war einmal ein Ehepaar. Dieses Ehepaar bekam ein Mädchen. Es wurde
mit großer Sorgfalt erzogen, und lernte nie zu arbeiten.
Darum nannte man sie auch das “faule Mädchen.” Sie
war so faul, daß sie zu schlaff zum Aufstehen war.
Ihre Eltern hatten für sie extra einen Krabelstuhl
bauen lassen, womit sie sitzend arbeiten konnte.
Als sie alt genug um zu Heiraten wurde, gab sie einem Jäger zu Frau.
Eines Tages ging der Jäger zur Jagd und brachte eine Ganz nach Hause,
die er säuberte und auf dem Ofen setzte. Als er wieder
auf die Jagd wollte sagte er seiner Frau, daß sie
auf die Ganz aufzupassen solle. Das Faule Mädchen
sagte nur “Ja”, aber stand nicht mal von ihrem Platz
auf.
Nach einer Weile kam ein Bettler an die Tür und bettelte von ihr eine
Scheibe Brot. Und sie wies ihn in die Küche um sich
die Scheibe Brot selber zu holen.
Als der Bettler in die Küche ging sah er die Ganz im Topf kochen. Er
nahm die Ganz und steckte es in sein Beutel und lies
seine schmutzigen Klotzen im Topf zurück. Er bedankte
sich bei ihr und begann ihr ein Lied zu singen. Das
Lied war so:
Dein Schnabel ist in Beutel mein,
Und die Klotzen in der Suppe dein,
Schlaf weiter in deinem wohlen Bettchen,
Den Schnabel esse ich allein im Wäldschen.
Nach diesem Lied ging der Bettler wieder fort. Später kam der Jäger
nach Hause zurück und fragte nach der Ganz. Seine
Frau erzählte ihm was geschah und sang ihm das Lied
vom Bettler. Daraufhin verstand der Jäger was los
war und schimpfte sie an.
Daraufhin unterließ das faule Mädchen ihre Faulheit,
und sie lebten glücklich bis an ihr Ende.
DAS WERTVOLLE SALZ
Es lebte einmal ein Sultan mit drei
Töchtern. Eines tages rufte der Sultan seine Töchter
zu sich und fragte sie: “Wie sehr liebt ihr mich?”.
Die größte Tochter antwortete: “So groß wie die Welt”,
die Zweite: “So groß wie meine Arme”, die Kleinste
antwortete: “So viel wie Salz”.
Der Sultan wurde auf die Antwort seiner kleinsten Tochter sehr wütend,
und übergab sie dem Henker. “Wie kann ein Mensch so
viel wie Salz geliebt werden ?!” fragte sich der Sultan.
Der Henker brachte das Mädchen in den Wald um es zu töten. Aber sie
flehte den henker an: “Hast du den kein Kind?! Wie
kannst du mir das antun?”. Der Henker hatte Mitleid
mit ihr und beschmierte sein Hemd mit Tierblut und
brachte es dem Sultan.
Das kleine Mädchen machte sich auf
den Weg und kam zu einem Dorf, wurde dort die Gehilfe
eines Reichen; wuchs dort auf und wurde ein sehr schönes
Mädchen, dessen Schönheit überall zu hören war. Später
heiratete sie dem Sohn eines anderen Sultans.
Nach langer Zeit erzähte sie ihrem
Mann, was sie alles erlebt hatte, sagte: “Lass uns
meine Familie zum Essen einladen!”. Ihr Mann stimmte
zu und es wurde eine große Vorbereitung unternommen.
Der Sultan, also der Vater des Mädchen
kam an dem verabredeten Tag mit seiner Gefolgschaft
zum Festmahl. Als der Vater am Tisch saß, kamen die
Speisen mit der Reihe ans Tisch. Aber das Mädchen
befiehl seinem Koch, das ganze Festmahl ohne Salz
vorzubereiten. Und der Sultan konnte keine von den
Speisen essen.
Das Mädchen sprang vom Tisch des
Sultans auf und sagte: “Mein Sultan, ich habe gehört,
daß sie ihre kleinste Tochter hingerichtet haben,
weil sie sie soviel wie das Salz Lieb hatte.” Ohne
dem Sultan das Wort zu geben sagte sie “Ich bin das
kleine Mädchen. Und ich habe absichtlich die ganzen
Speisen ohne Salz vorbereiten lassen, damit sie meinen
Wert verstehen”.
Der Sultan umarmte seine Tochter
und bereute was er tat. Nun verstand er den Wert des
Salzes. Und sie lebten von nun an in Frieden zusammen
bis zum Tode.