Beispiele für den Häuserstil in Safranbolu  
 

    Das Bild zeigt die Dagdelen-Moschee in Akcasu. Sie ist in einiger Enrfernung von den Abhängen erbaut, so daß das Auge sie zur Gänze wahrnehmen und ihre Einzelheiten voneinander unterscheiden kann. Die am Abhang angebrachten Häuser verdecken sich gegenseitig nicht, sondern können vom gegenüber liegenden Hügel aus einzeln betrachtet werden. Dahinter erheben sich die Felsen wie eine Mauer; sie schützen die Häuser vor kalten Winden im Winter.

     

    Dieses Stadthaus der Karaosmanen an der Kreuzung von Cuhadar- und Silberstraße, erbaut auf abschüssigem Gelände, wurde als ein Eckhaus mit großer Meisterlichkeit und Sorgfalt konzipiert. Das aus Steinen bestehende Erdgeschoß übernimmt hier gleichfalls die Aufgaben einer Stützmauer und erstreckt sich bis zu den oberen Stockwerken. Die Fenster der oberen Stockwerke, die sowohl in der Breite als auch in der Höhe zunehmen, öffnen sich auf die Straße. Die an der Ecke eingelassene Tür, die im mittleren und oberen Stockwerk hinsichtlich ihrer Größe und ihres Zwischenraumes meisterhaft angeordneten Fenster, der die Mittelachse verstärkende dreieckige Türaufsatz und das in der Mitte darüber befindliche, in Form eines Sultanssiegels gehaltene Gotteswort zeigen uns eine außergewöhnlich konzipierte Häuserfront. Leider ist diese Häuserfront heutzutage in einem sehr verfallenen Zustand.

    Die der Straße benachbarte Hausmauer folgt dem natürlichen Verlauf der Straße. Sie stellt gleichzeitig die Verlängerung der Gartenmauer dar. Diese Mauer hat eine Anordnung in der Weise erfahren, daß das Ziel, nämlich der Aufstieg in die oberen Stockwerke, leicht erkenntlich ist. Mit seinen Ausmaßen stellt das Tasatarlar-Haus ein ausgewogenes Beispiel architektonischen Kunstschaffens vor. (Akcasu)

    Die Verkleidung mit Holz, die auch gleichzeitig den mittleren Abschnitt des Lebens umfaßt, verbirgt hier die das Obergeschoß tragenden Stützbalken. Deshalb erweckt diese riesige weiße Masse den Eindruck, als erhöbe sie sich über einem geheimnisvollen Schatten. (Saraclar-Stadthaus)

    Das Erdgeschoß ist hier ohne Fenster gehalten. Das mittlere Geschoß stellt die Fortführung des Untergeschosses dar. Die Zimmer der oberen Stockwerke weisen allesamt Fenster auf. Jedoch beschädigen die in verschiedenen Ausmaßen gehaltenen Stützbalken die Symmetrie. Aber die gewaltige Masse wird durch eine Abfolge von Fenstern und Erkern aufgelockert. Die Diele des Zwischengeschosses ist unverglast und ofnnet sich mit Hilfe von Gitterfenstern nach außen. (Landhaus der Fam. Gökcüoglu)

    Die Türen sind unverziert gehalten und vermitteln durch ihre senkrechte Balkenkonstruktion einen ziemlich schlichten Eindruck. Sie bestehen jeweils aus zwei großen Türflügeln. Holznägel mit großen Köpfen schmücken einerseits die Tür und dienen gleichzeitig auch der Verbindung der Holzbalken mit der dahinterliegenden Türkonstruktion. Die Schlagleisten sind im klassischen Stil dekoriert. (Kayyumlar-Stadthaus)

    Der Eingang zum Zimmer ist im rechten Winkel zu diesem angelegt; die Decke über diesem Eingang ist niedrig gehalten. Die Decken des Zimmers und des Eingangs sind in Kassettendeckenform ausgeführt. Hinten ist ein Schrank mit durchbrochener Tür zu sehen. Rechts befindet sich der Schrank für die Betten und darunter eine Waschgelegenheit. Dieses Zimmer ist sehr wahrscheinlich das Gästezimmer. (Gökcüoglu-Landhaus, mittleres Geschoß)

    Die auffälligste Besonderheit eines türkischen Zimmers liegt darin, daß es als Wohneinheit zu vielen Zwecken genutzt werden kann. Im Zimmer kann man sitzen, arbeiten, essen, schlafen, sich waschen. Den größten Einfluß auf diese Lebensform haben hier natürlich mobile Einrichtungsgegenstände, die im erforderlichen Falle in der Mitte des Zimmers aufgestellt und bei Bedarf auch wieder an ihren ursprünglichen Platz gebracht werden können. Zu diesem Zweck ist die Mitte eines jeden Zimmers stets frei. Dieses Zimmer, das ein bedeutendes Beispiel traditioneller, auf uns gekommener Einrichtungskunst zeigt, wird durch seine Besitzerin Nezihe Aycan auf das sorgfältigste gepflegt und in Ordnung gehalten. (Landhaus des Emirhoca zade Ahmet Bey)

    Ruhebänke können auch rechts und links des Herdes aufgestellt werden.

    Abgeschrägter Erker. Er ist von bogengeschmückten Fenstern umgeben, die ebenfalls den Abschluß der Diele bilden. (Kececiler-Stadthaus)

    Zwei Flügel eines Deckenüberzuges, zusammengesetzt aus einzelnen Nußbaum- und Fichtenholzteilen. (Pacacilar-Landhaus)

    Eine weitere, aus Holzleisten zusammengesetzte Deckenkonstruktion. (Gökcüoglu-Landhaus)

    Dieses Haus hinterläßt auf der einen Seite den Eindruck, als ob die zwei Fenster ein übereinander liegendes Ganzes bildeten, auf der anderen Seite ist mit Hilfe des abgestützten, mit  Erkern versehenen oberen Stockwerks die Wucht dieses Stockwerks auf eine recht eigenwillige Weise ausgeglichen. (Müsellimler-Stadthaus)

    Schranktür mit Holzaufsätzen, geschmückt durch Holzschnitzereien; ausgehobelte Schlagleiste. (Landhaus des Emirhoca zade Ahmet Bey)

    Die Türen des gleichen Schranks in geöffnetem Zustand. Auf den Regalen sind in Tücher eingewickelte Gegenstände zu sehen; auch kann hier die Herstellungsweise der Türen betrachtet werden.

    Ein mit Rauchabzugshaube versehener Kochherd. Die Etagere setzt sich auch über der Abzugshaube fort. Die Fenstergitter sind nach der Spiegelmethode gearbeitet. Die Sessel und Ruhebänke sind mit Decken überzogen, die ein Überspringen der Funken verhindern sollen. (Landhaus des Emirhoca zade Ahmet)

    Das Äußere des Hauses Mektepçiler ist mit Pflanzen- und Tiermotiven, die in das Gebäude selbst eingemauert wurden, geschmückt. Diese stilvollen Motive erinnern an sehr weit zurückreichende Formen.

    Beispiel für eine zusammengesetzte Kassettendecke sowie für mit dem Meißel gearbeitete Innenverzierungen, die aber aus neuerer Zeit stammen. (Memisogullar-Landhaus).

    Auch die Decke ist dekoriert. Bei der am meisten verbreiteten Methode wurden die Holzlatten ineinander gesteckt und erhielten so ihre Festigkeit. Oberflächen aus Holz erhielten im allgemeinen keinen Farbanstrich. Dieses Beispiel ist mit Ölfarbe behandelt, die das darunterliegende matte  Holzgewebe ohne Grundfarbe und Gipsauftrag zeigt. (Landhaus des Emirhoca zade Ahmet Bey)

    Safranbolu
    Türkische Häuser

 
 
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