Aynalikavak-Schlößchen  
 

    Dieser Bau, der seit mehr als dreihundert Jahren die Strände des Goldenen Horns schmückt und heutzutage unter dem Namen Aynalikavak-Schlößchen bekannt ist, stellt das einzige Beispiel einer Gruppe von Bauten dar, die in der Periode des Osmanischen Reiches als “Aynalikavak-Palast” oder “Werft-Palast” bekannt war.

    Aus historischen Quellen, die uns über die Stadt Istanbul unterrichten, geht hervor, daß dieser Ort schon im Byzantinischen Reich als eine Sommerfrische für die Kaiser genutzt wurde. Dem Hügel, der sich von den Stränden des Goldenen Horns bis nach Okmeydani und Kasimpasa erstreckt und auf dem man auch den Weinbau gepflegt hatte, wurde nach der Eroberung Istanbuls beginnend mit Sultan Mehmet dem Eroberer von allen nachfolgenden Sultanen großes Interesse entgegengebracht. Die Einrichtung einer Werft für das Osmanische Reich in Kasimpasa trug viel zur Entwicklung dieser Gegend bei, die später den Namen “Privater Werftgarten” trug.

    Die Entstehungszeit der hier befindlichen Bauten läßt sich bis auf die Periode von Sultan Ahmet I. (1603-1617) zurückverfolgen. Diese Bauten, die auch unter dem Namen “Werftschlösser” bekannt waren, erfuhren eine Weiterentwicklung durch die von mehreren Sultanen hinzugefügten Schlößchen und anderen Anbauten und wurden seit Beginn des 17. Jhs. nur noch “Aynalikavak-Schloß” genannt.

    Das sich innerhalb des Schloßgeländes befindende und sehr wahrscheinlich von Sultan Ahmet III. (1703-1730) erbaute Aynalikavak-Schlößchen wurde zur Zeit Sultan Selims III. (1789-1807) erneuert und und erhielt dabei auch sein heutiges Aussehen. Der Versammlungsraum, das Kompositionszimmer sowie die die Fenster dieser Räume umgebenden Bögen tragen Inschriften, die im Taliq-Schriftduktus gehalten sind. Bei diesen Inschriften handelt es sich um Lobgedichte für Bau und Sultan; sie waren von berühmten Dichtern jener Zeit, Scheich Galip und Enderuni Fazil, verfaßt worden. Damit nimmt dieses Schlößchen unter den Bauten des 18. Jhs. einen besonderen Platz ein.

    Der Bau weist zur Seeseite zwei, zur Landseite ein Stockwerk auf und ist damit das letzte interessante Beispiel klassischer osmanischer Baukunst. Auch hinsichtlich seiner Dekoration spiegelt er den Geschmack jener Zeit wider. Besonders zur Zeit Sultan Selims III, der auch als Komponist bekannt war, entfaltete das Schloß reiche kulturelle Aktivitäten und bot eine Herberge für die Künstler jener Zeit. Die Hauptelemente dieser Kultur, Polsterbank und gepolsterte Ruhelager und das Kohlebecken, waren Mobiliar, die uns den Lebensstil längst vergangener Tage vor Augen führen.

    Im Erdgeschoß des Aynalikavak-Schlößchens, das als Palastmuseum für die Besucher geöffnet ist, wird der Tatsache, daß Sultan Selim III. ein Komponist war, besondere Rechnung getragen. Hier werden von Institutionen und Einzelpersonen zusammengetragene, aber auch vom Topkapi-Palast überlassene Musikinstrumente in einer “Ausstellung türkischer Musikinstrumente” dem Besucher nahegebracht. Im Garten des Schlößchens werden besonders im Sommer unter dem Namen “Aynalikavak-Konzerte” für die Besucher Konzerte klassischer türkischer Musik gegeben, die auf nationaler und internationaler Ebene konkurrieren können.

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