Beylerbeyi-Palast  
 

    Die Besiedlung des Gebietes Beylerbeyi und seiner Umgebung reicht bis weit in die Geschichte zurück, nämlich bis zur byzantinischen Periode. Wenn man den Ausführungen des berühmten Reisenden Inciciyan folgt, der im 18. Jh. gelebt hat, dann war diese Gegend in byzantinischer Zeit wegen eines Kreuzes, das Konstantin der Große dort aufstellen ließ, auch als “Gärten der Kreuze” bekannt. In osmanischer Zeit waren hier die Lustgärten der Sultane gelegen. Inciciyan sagt uns weiter, daß der Name Beylerbeyi seinen Ursprung im Pavillon des Armeeführers Mehmet Pasa hatte, den dieser hier errichten ließ.

    Beylerbeyi, das das Interesse der Sultane zu jeder Zeit anzog, war aufgrund vieler Pavillons und Schlößchen, die man dort anlegen ließ, zu einem Ort der Erholung und Sommerfrische geworden. Im Jahre 1829 ließ Sultan Mahmut II. dort einen Strandpavillon aus Holz erbauen, welcher das Interesse wiederum auf dieses Gebiet lenkte.

    Der heutige Beylerbeyi-Palast wurde nach Abriß des hölzernen Strandpavillons von Sultan Abdülaziz in den Jahren 1861-1865 erbaut. Baumeister war der damals sehr bekannte Architekt Serkis Balyan. Der Palast wurde im allgemeinen im Sommer genutzt, besonders aber zum Empfang und zur Beherbergung ausländischer Staatsoberhäupter. Hier hielten sich der serbische Prinz, der König von Karadag, der Schah des Iran und die französische Kaiserin Eugenie auf. Sultan Abdülhamit II. verbrachte die letzten 6 Jahre seines Lebens hier und starb 1918 in diesem Palast.

    Die Innenarchitektur dieses Palastes, die eine Mischung aus westlichen und östlichen Baustilen darstellt, weist insofern eine Ähnlichkeit mit dem Bauplan eines traditionellen türkischen Hauses auf, als auch hier die Zimmerfluchten jeweils um einen Mittelhof gruppiert sind. Von den zwei Hauptabteilungen des Schlosses, der Männer- und der Frauenabteilung, ist die erstere reichhaltiger ausgestattet und dekoriert. Die gesamte Schloßanlage besteht aus drei Stockwerken, von denen das Erdgeschoß Küche und Lagerräume beherbergt. Vorhanden sind 3 Eingänge, 6 Empfangszimmer und 26 weitere Zimmer. Das gegen Feuchtigkeit und außergewöhnliche Hitze widerstandsfähige Mobiliar war mit Schilfgeflecht überzogen, das eigens dazu aus Ägypten herbeigeschafft wurde. Die meisten der großen Teppiche und Wandteppiche waren Produkte der Tepichweberei in Hereke; des weiteren beherbergte der Palast so sehenswerte Kunstobjekte wie böhmische Kristalleuchter, französische Uhren und chinesische, japanische sowie französische Sternenvasen.

    Ein wesentlicher Unterschied, der den Beylerbeyi-Palast mit seiner besonderen Lage auf dem anatolischen Ufer des Bosporus vor anderen osmanischen Bauwerken jener Zeit auszeichnete, war in seinen Gärten begündet, die in der Form von hängenden Gärten angelegt waren und deshalb auch als “Terrassengärten” bezeichnet wurden. Diese Gärten beherbergten viele Pavillons und ein Überbleibsel der alten Paläste, nämlich ein großes Wasserbassin. Der Gelbe Pavillon, gelegen am Rande des Wasserbassins im oberen Abschnitt der Terrassengärten, der Pferdepavillon, der zu jener Zeit als Stallanlage diente, wo die Pferde des Sultans untergebracht waren, und der von den Bauten des früheren Palastes noch stehengebliebene Marmorpavillon sind wichtige Bauwerke der osmanischen Schloßbaukunst, die sich bis in die heutige Zeit erhalten haben.

    Das Interessanteste an der ganzen Anlage des Beylerbeyi-Palastes, der zu einer Zeit errichtet wurde, als sich die  Beziehungen zum Westen intensiviert hatten, ist der unter den Terrassengärten verlaufende historische Tunnel. In der Inschrift des in der Mitte des Tunnels gelegenen Brunnens ist der Name Sultan Mahmuts II. erwähnt, welches einen wichtigen Hinweis auf die Datierung dieses Bauwerkes gibt. Diese Tunnelanlage, die wie das große Wasserbassin des oberen Terrassengartens und der Marmorpavillon ebenfalls aus der Zeit Mahmuts II. (1808-1839) stammt, ermöglicht einerseits eine fortlaufende Funktionalität der Uferstraße und sichert andererseits die Verbindung dieser Straße mit den hinter den hohen Umfassungsmauern gelegenen Gärten.

    Der Beylerbeyi-Palast hat sich aufgrund erfolgreich durchgeführter Restaurationen als ein Sommerpalast jener Epoche seinen Platz innerhalb der “Bosporus-Kultur” erobert. Durch Betrieb eines Cafes und eines Verkaufsstandes in den Gärten und im Inneren der historischen Tunnelanlage ist dieses Palastmuseum in der Lage, seinen Besuchern modernste Dienstleistungen anzubieten. Hier werden neben Büchern, Postkarten und Postern, die Informationen über das genannte Bauwerk vermitteln, auch Geschenkartikel zum Verkauf angeboten. Bei vorheriger Anmeldung und Einholung einer entsprechenden Genehmigung kann der Palast zur Ausrichtung von Empfängen genutzt werden. Auf diese Weise eröffnet sich unseren Zeitgenossen eine Gelegenheit, die traditionelle Atmosphäre eines osmanischen Sultanspalastes zu genießen.

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