Das
zwischen Besiktas, Yildiz und Nisantasi gelegene Ihlamur-Tal
war im 18. Jh. eine Sommerfrische, die unter dem Namen eines
auf den Werften arbeitenden Emirs als "Haci Hüseyin-Weinberge"
bekannt war. Dieser Ort wurde z.Z. Sultan Ahmets III. als
Privatgarten für den Herrscher ausgewiesen, war aber dennoch
weiter bis zur 2. Hälfte des 19. Jhs. unter seinen früheren
Namen bekannt. Auch Abdülhamit I. (1774-1789) und Selim
III. (1789-1807) brachten diesem Ort reges Interesse entgegen.
Nach der Thronbesteigung Sultan Abdülmecits
(1839-61) begann man mit dem Bau zahlreicher neuer Gebäude,
darunter des Dolmabahce-Palastes in Besiktas, des Kücüksu-Schlößchens
und des auf dem Ihlamur-Hügel errichteten Ihlamur-Schlößchens.
Vor
Errichtung des heute noch bestehenden Schlößchens war diese
Sommerfrische ein vom Herrscher Abdülmecit vielbesuchter
Ort; der Sultan suchte hier in einem kleinen Weinberghäuschen
Erholung. Hier empfing er auch neben anderen Gästen den
zu jener Zeit berühmten französischen Volksdichter Lamartine.
Der Bau umfaßt zwei Schlößchen, die auf
einem von hohen Mauern umgebenen baumbestandenen Gelände
in einer Größe von 24.724 m2 durch den Baumeister Nikogos
Balyan errichtet worden waren. Die Fertigstellung des Baus
dauerte von 1849-1855; danach war das Schlößchen zeitweise
als Nüzhetiye und zeitweise als Ihlamur-Schlößchen bekannt.
Der für die Abhaltung von Zeremonien genutzte
Zeremonienpavillon ist mit seiner mit barocken Ausschmückungen
versehenen Treppe, die den Geschmack jener Zeit reflektierte,
sowie mit seinen interessanten und vielsagenden Relieffiguren
ein das Auge des Betrachters auf sich ziehendes Bauwerk.
Bei der Innendekoration wurden die vom osmanischen Kunstschaffen
des 19. Jhs. bevorzugten Motive und Meißelarbeiten verwendet,
die mit dem in unterschiedlichen Stilen gehaltenen Mobiliarstücken
europäischer Herkunft sowie den weiteren Einrichtungsgegenständen
auf harmonische Weise übereinstimmen.
Die
zeitweise auch als Harem genutzten Privatgemächer des Sultans
waren in einem gesonderten Pavillon untergebracht, der im
Vergleich zum Hauptschlößchen kleiner und vorwiegend undekoriert
gehalten war.
Nach dem frühen Tod von Sultan Abdülmecit
zeigte der ihm auf den Thron folgende Abdülaziz (1861-1876)
diesen Bauten und ihrer Umgebung gegenüber nicht das gleiche
Interesse wie sein älterer Bruder, sondern nutzte den Ort
vor allem, um Hahnen- und Stierwettkämpfe in den Gärten
des Schlößchens austragen zu lassen. In den auch von Sultan
Mehmet Resat (1909-1918) zeitweilig genutzen Bauten wurden
vor allem die Istanbul einen
Besuch
abstattenden Könige Bulgariens und Serbiens empfangen.
Das im Jahre 1966 in die Verwaltung der
Staatlichen Schlösser einbezogene Ihlamur-Schlößchen ist
mit seinem Zeremonien-Pavillon in der Form eines Museumspalastes
für Besucher geöffnet. Die Privatgemächer des Sultans und
ein Teil des Gartens beherbergen Cafes; auch werden hier
wie in anderen Palästen und Lustschlößchen Empfänge gegeben.
Der im Garten errichtete, bis vor kurzem noch als Dienstwohnung
genutzte Bau aus der Zeit der Republik ist ebenso wie das
Palastmuseum als Ort gedacht, an dem sich neben Kindern
vor allem Kunstschaffende, die ihre Fähigkeiten auf den
Gebieten der Malerei, der Bildhauerkunst und des Theaterschaffens
entwickeln wollen, treffen können.
Zurück zu der Stadt
Ýstanbul
Staatliche Schlösser
Zurück
zu 'Schlösser, Pavillons, Lustschlößchen, Sommervillen,
Gästehäuser'