Yildiz-Schlößchen-Þale  
 

    Das Yildiz-Schlößchen, das sich zwischen Besiktas, Ortaköy und Balmumcu auf einer dem Bosporus zugewandten Stelle mit einer Größenordnung von 500.000 m2 erhebt, wurde in einer seit byzantinischer Zeit als Siedlungsort bekannten waldreichen Gegend errichtet. Diese waldige Gegend, die nach der Eroberung Istanbuls durch die Türken auch als "Garten des Kazancioglu" bekannt war, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit während der Herrschaftsperiode von Sultan Ahmet I. (1603-1617) als Lustgarten des Sultans ausgewiesen.

    Auch das Interesse von Sultan Murat IV. (1623-1640) und Selim III. (1789-1807) richtete sich auf diese Gegend. Sultan Selim III. ließ hier für seine Mutter Mihrischah einen Pavillon mit dem Namen "Yildiz (Stern)" erbauen; seither ist diese Gegend unter dem Namen "Yildiz" bekannt.

    Die durch die Hinzufügung von Pavillons und Schlößchen, erbaut in der Herrschaftszeit von Sultan Mahmut III. (1808-1839), Sultan Abdülmecit (1839-1861) und Sultan Abdülaziz (1861-1876), entstandene Ansammlung von Bauwerken  erhielt den Namen Yildiz-Schloß zur Zeit des Sultans Abdülhamit II. (1876-1909), der weitere Bauwerke hinzufügen ließ. Nach dem Alten Palast, an dessen Stelle sich heute die Universität Istanbul erhebt, dem Topkapi- und dem Dolmabahce-Palast ist das Yildiz-Schlößchen das vierte Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches gewesen.

    Ein Gebäude des Schloßkomplexes, dessen Name auf Französisch die Bedeutung "Berghütte (Chalet)" trägt, nämlich der Chalet-Pavillon, stellt eines der interessantesten Beispiele osmanischen Architekturschaffens im 19. Jh. dar. Dieser Pavillon, der sich aus drei nebeneinanderliegenden Gebäuden zusammensetzt und und in einem von hohen Mauern umgebenen Garten gelegen ist, wurde in seinem ersten Abschnitt im Jahre 1880 fertiggestellt. Der von Sarkis Balyan entworfene zweite Gebäudeabschnitt wurde 1889, der von D'Aranco entworfene, auch als Zeremonien-Pavillon bekannte dritte Gebäudeabschnitt schließlich wurde 1898 fertiggestellt. Die beiden letzten Abschnitte wurden aus Anlaß des Besuches des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Istanbul errichtet, wodurch dieses Chalet innerhalb der Bauten des Yildiz-Schlosses in den Rang eines "Staatsgästehauses" erhoben wurde.

    Der Pavillon ist zweistöckig mit einem Kellergeschoß, gebaut aus Holz und Backsteinen. Gemäß osmanischer Tradition wurden Männer und Frauen getrennt empfangen und beherbergt. Die Fenster des siebentürigen Pavillons wurden mit Holzfensterläden verschlossen, und die Verbindung zwischen den zwei Stockwerken wurde durch eine Marmortreppe und eine zweite, mit feingeschnitzten Verzierungen versehene Holztreppe gesichert.

    Die Anordnung der Zimmerfluchten mit ihren 60 Zimmern und vier Sälen übertraf in ihren Ausmaßen die eines Pavillons. Die Räume sind mit von Barock, Rokoko und islamischer Kunsttradition beeinflußten Meißelarbeiten, geometrischen Verzierungen und Landschaften darstellenden Wand- sowie Deckenbildern ausgeschmückt.

    Im Erdgeschoß erstreckt sich ein von Wand zu Wand reichender, ungefähr 406 m2 großer Hereke-Teppich, gewebt in einem Stück. Die Deckenverzierung stellen vergoldete Deckengemälde dar. Der prächtige Zeremoniensaal, an dessen Wänden lebensgroße Spiegel angebracht sind, der Perlmutt-Saal, der mit seinen Perlmuttverzierungen bestimmte östliche Einflüsse aufweist, der durch seine Landschaften darstellenden Deckengemälde berühmte Gelbe Saal, das aus verschiedenen europäischen Ländern herstammende wertvolle Mobiliar, die in ihrer Schönheit sich gegenseitig übertreffenden Kachelöfen und Vasen, die prächtigen, geschnitzten Schlafzimmerausstattungen sowie die Einrichtungen der übrigen Säle und Zimmer führen uns die Mode der ausklingenden Jahre des Reiches vor Augen.

    Der Chalet-Pavillon wurde in Zeiten der Republik für eine Weile als Luxus-Spielcasino genutzt, aber später wieder seiner früheren Funktion zugeführt. Viele berühmte Staatsmänner und –oberhäupter aus aller Welt waren hier zu Gast.

    Heute ist das Yildiz-Schlößchen im Rahmen der dem Parlament unterstellten Verwaltung der Staatlichen Schlösser als Palastmuseum für Besucher geöffnet, und der Garten wird für Empfänge genutzt.

    Zurück zu der Stadt Ýstanbul
    Staatliche Schlösser

 
 
  Kultusministerium Städte der Türkei Aktuelles Kultur und Kunst
Suche E-mail Hauptmenü
 
© Kultusministerium - Alle Rechte sind erhalten