“Ein Jahrhundertschatz”
Geschichte der “Elmali”-Münzen:
Nach den Angriffskriegen der Perser auf
Griechenland im V. Jh. vor Chr. wurde unter Führung des
Stadtstaates Athen ein Zusammenschluß von Städten der Mittelmeer-
Region gegründet (Atik-Delos-Seebund). Dieser Bund hatte
ein Zentrum und verfügte über einen eigenständigen Haushalt.
Jeder Stadtstaat leistete durch die von ihm geprägten Silbermünzen
aufgrund des jeweils herrschenden Kräfteverhältnisses einen
Beitrag zu dem o.e. Städtebund.
Die im Jahre 1984 im zu Antalya gehörenden
Distrikt Elmali im Anschluß an ungenehmigte Ausgrabungen
gefundenen Elmali-Silbermünzen, die auch als “Schatz des
Jahrhunderts” bezeichnet wurden, umfaßten die Währungen
aller auf dem erwähnten Gebiete zu damaliger Zeit befindlichen
Stadtstaaten. Von etwa 1900 Silbermünzen stellten allein
über 1000 die Währung der Stadtstaaten der lykischen Region
dar; auch enthielt der Fund Münzen von bis jetzt noch nicht
bekannten Dynastien.
Der wichtigste Grund, die erwähnten Münzen
als den Schatz des Jahrhunderts zu bezeichnen, liegt darin,
daß die Griechen aufgrund ihres Sieges über die Perser ganz
kurzfristig eine neue Währung einführten. Die normale Währungseinheit
jener Zeit war die Drachme; während es Münzen im Werte von
höchstens vier Drachmen gab, wurden als Gedenkmünze zur
Erinnerung an den Sieg Geldstücke im Werte von 10 Drahmen
herausgegeben (Münze im Werte von 10 Drachmen = Dekadrachme).
Von diesen Münzen wurden jedoch nur sehr
wenige geprägt. Bis 1984 war die weltweite Existenz von
nur 13 dieser Münzen bekannt. Der Elmali-Schatz enthielt
14 weitere dieser Gedenkmünzen.
Das Auffinden des Elmali-Schatzes hat
Licht auf einen bisher noch nicht bekannten, wichtigen Abschnitt
der Menschheitsgeschichte geworfen und die Zahl der weltweit
bekannten Dekadrachmen auf das Doppelte erhöht.
Rückführung der Elmali-Münzen nach
Anatolien:
(Bei
ungenehmigten Ausgrabungen im Dorf Bayindir des Elmali-Distrikts
in der Provinz Antalya wurden 1900 Silbermünzen gefunden).
Am 18. April 1984 wurden infolge von ungenehmigten
Ausgrabungen im Dorf Bayindir des Elmali-Distrikts in der
Provinz Antalya etwa 1900 Silbermünzen gefunden. Nach Bekanntwerden
der ungenehmigten Ausgrabungen wurden die Grabungsverantwortlichen
sowie diejenigen, die Münzen in den Handel einschleusen
wollten, von der Finanzpolizei beobachtet und nach ihrer
Festnahme zu unterschiedlichen Haftstrafen verurteilt.
Gegen Fuat Üzülmez, Edip Telliagaoglu
und Nevzat Telliagaoglu, die diese Silbermünzen in Europa
und Amerika auf Auktionen an Firmen und Privatsammlungen
verkaufen wollten und denen es gelang, ins Ausland zu fliehen,
wurde ein Haftbefehl in Abwesenheit erlassen. Dem mit Hilfe
des Roten Dossiers der INTERPOL gesuchten Edip Telliagaoglu
wurde außerdem die türkische Staatsbürgerschaft aberkannt.
Fuat Aydiner wurde im Februar 1989 in Istanbul festgenommen.
Am 10. März 1988 wurden im Katalog einer
Auktionsfirma für antike Münzen mit Namen “Numismatic Fine
Arts” in Los Angeles 10 Elmali-Münzen veröffentlicht und
vorgestellt. Die Münzen wurden im Katalog mit den Worten
“im Jahre 1984 im Süden Anatoliens gefunden” beschrieben.
Nachdem der Wissenschaftsjournalist Özgen
ACAR im Jahre 1986 von dieser Angelegenheit erfahren hatte
und diesbezügliche Nachforschungen anstellte, konnte der
Prozeß eingeleitet werden, der schließlich mit der Rückführung
der Münzen in ihre Heimat endete.
Die
türkische Regierung konnte durch ihr Eingreifen in die erwähnte
Auktion den Verkauf der Silbermünzen stoppen. Nachdem der
Firmeninhaber durch unsere Anwälte darüber in Kenntnis gesetzt
worden war, daß es sich bei den betroffenen 10 Münzen um
Schmuggelware aus der Türkei handelte, konnten die Münzen
ohne Zahlung irgendeines Gegenwertes sowie ohne Einleitung
rechtlicher Schritte in ihre Heimat zurückgebracht werden.
Am 26. Mai 1988 wurden drei Elmali-Silbermünzen,
diesmal in Zürich, von einer Auktionsfirma mit dem Namen
“Bank Leu” zum Verkauf angeboten. Auf die gleiche Weise
wie aus Los Angeles konnten auch die Münzen aus Zürich ihren
Weg in die Heimat antreten.
Im Mai 1991 wurden wiederum in Zürich
von einer anderen Auktionsfirma mit Namen “Tkalec” 3 Münzen
auf einer Auktion zum Verkauf unterbreitet, die jedoch auf
die gleiche Weise wie die o.e. in die Türkei überführt werden
konnten.
Heute befinden sich 16 Elmali-Silbermünzen
im Museum für Anatolische Zivilisationen in Ankara.
Ein großer Teil der im Dorf Bayindir bei
ungenehmigten Grabungen gefundenen Silbermünzen befand sich
in den Händen eines amerikanischen Unternehmers und Kunstsammlers
namens William Koch. Etwa 1800 Münzen wurden von der Firma
OKS Partners, der auch William Koch angehört, angekauft.
Der erwähnte Sammler wurde aufgefordert,
die Rückgabe der Münzen zu veranlassen. Da aber seinerseits
keine positive Reaktion erfolgte, wurde im Jahre 1989 vor
dem Provinzgericht des Bundesstaates Massachusetts die Eröffnung
eines Prozesses beantragt.
Zur Beobachtung des Prozesses wurde seitens
des in New York ansässigen Generalkonsulats das Rechtsanwaltsbüro
von Herrick Feinstein ermächtigt, das bereits den in den
USA ausgetragenen Prozeß um “Lydische Kunstwerke” verfolgte.
Den erwähnten Fall betreffend, wurden
am 8. Juni 1994 zwei wichtige Beschlüsse gefaßt. Der erste
betraf die Zurückweisung durch das Gericht der von den Beklagten
vorgebrachten Argumentation über das 1983 in Kraft getretene
Gesetz Nr. 2863 zum Schutze von Kultur- und Naturschätzen,
und der zweite die Argumentation der Beklagten hinsichtlich
Verjährung.
Die Anwälte haben bei ihrem Besuch vom
17-23 April 1996 die Vorschläge der Gegenseite in Betreff
auf den eingefrorenen Prozeß unserem Ministerium überbracht
und den Beschluß entgegengenommen, wonach aufgrund der Anordnungen
des Ministeriums das Gerichtsverfahren bis zum Ende durchzuführen
sei. Die von der Gegenseite bestimmten türkischen Zeugen
wurden vor Gericht vernommen. Dementsprechend wurden der
Botschaft Sükrü ELEKDAG in der Zeit zwischen 11-20 September
1996, Botschafter Murat SUNGAR vom 16-26 Oktober 1996, Prof.
Dr. Engin ÖZGEN vom 27. Januar-9. Februar 1997, Altan AKAT
vom 25. Februar-8. März 1997, Kayhan DÖRTLÜK vom 8.-19.
April 1997 und Dr. Nurettin YARDIMCI zwischen dem 4.-17.
Mai 1997 nach New York entsandt.
Für die Endverhandlung des Prozesses war
der 1. Dezember 1997 vorgesehen, jedoch wurde die Verhandlung
auf den 9. März 1998 verschoben. Später informierten die
Anwälte über eine nochmalige Verlegung des Prozeßtermins
auf unbestimmte Zeit.
Nach intensiven Gesprächen und Bemühungen
im Jahre 1998 konnte mit der im Besitz der Elmali-Münzen
befindlichen Partei ein Übereinkommen erzielt werden, das
vorsah, unter Verzicht auf den Prozeß eine Rückgabe der
Münzen zu gewährleisten. Der entsprechende Vertrag, der
die Rückgabe von 1661 Münzen an die Türkei vorsah, wurde
am 1. Februar 1999 durch den Minister für kulturelle Angelegenheiten,
Istemihan TALAY, unterzeichnet.
In
der Folge wurde am 4. März 1999 in der Botschaft der Türkei
in Washington eine Feier veranstaltet, auf der der Stellvertretende
Generaldirektor für das Museumswesen, Kenan YURTTAGÜL, im
Namen des Ministeriums Herrn Koch eine Plakette überreichte.
Am 20. April 1999 reisten der Direktor
des Museums für Anatolische Zivilisationen, Ilhan TEMIZSOY,
und der Archäologe und Numismatiker Tevfik GÖKTÜRK zwecks
Entgegennahme der in die Türkei zu verbringenden Münzen
nach New York.
Die Elmali-Silbermünzen wurden am 28.
April 1999 vom Minister für kulturelle Angelegenheiten,
Istemihan TALAY, zwecks Rückführung in die Türkei entgegengenommen
und am 29. April 1999 nach Ankara gebracht.
Diese Münzen, die als der Schatz des
Jahrhunderts bezeichnet werden, beim Eintritt in das 21.
Jahrhundert in den Besitz der Türkei zurückgeführt zu haben,
erfüllt uns im Namen der Menschheit mit Stolz.