Was sind Türkische
Häuser ?
Türkische Häuser
können im Laufe der Geschichte als die Häuser bezeichnet
werden, die vorwiegend als Wohnstätte für Türken dienten.
Aber seit dem ersten Auftreten der Türken in der Geschichte
bis heute haben sich ihre Niederlassungsgewohnheiten sehr
verändert : Die Türken haben sich von Zentralasien bis zum
Balkan, von Nordafrika bis nach Arabien, von dort bis an
den nördlichen Rand des Schwarzen Meeres ausgebreitet und
haben während dieses Prozesses eine Reihe von Staaten gegründet.
Deswegen wird als türkisches Haus eigentlich ein Haus bezeichnet,
dessen Typ in der Spätzeit des Osmanischen Reiches vom 17.
Jh. an bis heute als nationales Erbe vorhanden ist und das
die folgenden Besonderheiten aufweist :
Besondere
Anordnung der Zimmerfluchten : Das wichtigste Element
eines türkischen Hauses ist das Zimmer. Die Anordnung der
Zimmer hat sich in der hier untersuchten Periode nur sehr
wenig geändert.
Grundriß :
Besonderheiten des Grundrisses zeigen, daß bei türkischen
Häusern die Zimmer sich im allgemeinen auf eine Diele oder
Vorhalle hin öffnen; die Zimmer weisen oft mit Bögen überdeckte
Vorräume und Erker auf. Die Besonderheiten dieses Grundrisses
liegen aber nicht so sehr in der Tatsache, daß die Zimmer
nebeneinander angeordnet sind, sondern vielmehr darin, daß
sie sich durch die davor erstreckende Halle oder Diele,
die ein getrenntes Betreten jedes Zimmers erlaubt, voneinander
abgrenzen. In den Häusern späterer Zeit ist diese Vorhalle
meistens in der Mitte des Hauses befindlich.
Häuser mit
mehreren Stockwerken : Die Häuser sind mindestens zweistöckig,
wobei das obere Stockwerk dem Privatbereich vorbehalten
ist. Das Erdgeschoß ist wie eine Umfassungsmauer in beträchtlicher
Höhe angelegt und aus Backsteinen erbaut. Aber auch das
obere Stockwerk kann von der Straße aus durch einen Treppenaufgang
betreten werden.
Form des Daches
: Das Dach ist ein zu allen vier Seiten geneigtes Satteldach.
Das Wetterdach ist breit und horizontal angebracht.
Bauweise :
Vorherrschend ist die Bauweise aus Holz im Fachwerkstil
oder die gleichzeitige Benutzung von Holz und Gips.
Die o.e. Besonderheiten
finden sich sowohl bei den Häusern der einfachen Bevölkerung
als auch bei Verwaltungsgebäuden. Reichtum des Hausbesitzers
drücckt sich in der Anzahl der Zimmer und in ihrer Dekoration
aus. Der oben beschriebene Häusertyp läßt sich überall dort
nachweisen, wo sich Türken für längere Zeit niedergelassen
und ihrer Kultur zur Ausbreitung verholfen haben. Türkische
Häuser sind grundverschieden von in anderen Kulturen geprägten
Häuserformen, und dieser Unterschied springt sofort ins
Auge.
Bis heute wurden
türkische Häuser nur in sehr geringem Umfange wissenschaftlich
erforscht. Die umfassendsten und frühesten Untersuchungen
auf diesem Gebiet wurden von Sedat Hakki Eldem durchgeführt,
der schon in jungen Jahren die Bedeutung türkischer Häuser
erkannt hatte und darüber reichliches Material sammeln konnte.
Kurz vor seinem Tode konnte Eldem nur einen kleinen Teil
seiner Untersuchungen veröffentlichen, aber dadurch sind
wir in die Lage versetzt worden, im Besitz gewisser Informationen
über die wichtigsten späten Beispiele eigenständiger türkischer
Häuserformen zu sein. Auch der Archäologe Mahmut Akok hat
durch seine Zeichnungen und Aufsätze zu den Häusertypen
verschiedener Regionen einen erheblichen Beitrag geleistet.
In den 50'er Jahren wurde an der Fakultät für Architektur
der Technischen Universität Istanbul über die Bauweise von
Wohnhäusern in bedeutenden Großstädten gearbeitet, aber
später erfuhren derlei wissenschaftliche Forschungsarbeiten
nicht mehr das gleiche Interesse. Heutzutage sehen wir die
Veröffentlichung von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten,
die sich besonders mit den wohnlichen Gegebenheiten in Kleinstädten
beschäftigen.
Das allmähliche
Verschwinden des traditionellen Siedlungsgeflechts und die
überall entstehenden Neubauten sind als die Hauptgründe
für dieses neu erwachte Interesse anzusehen. Dennoch bereitet
das Thema türkischer Häuser immer noch einiges Kopfzerbrechen.
Der Besuch unterschiedlicher Regionen zeigt uns Häuser von
nie geahnter Schönheit und Außergewöhnlichkeit. Jedoch sind
die meisten von ihnen nicht inventarisiert, und von vielen
existieren nicht einmal Fotografien.
Allgemeines
Aussehen eines türkischen Hauses :
Bei den Häusertypen,
die wir im engeren Sinne als türkische Häuser bezeichnen
können, ist das Erdgeschoß an der Seite, die zur Straße
hin zeigt, aus Stein oder Ziegeln gefertigt, das Obergeschoß
dagegen mit Hilfe von Stützwänden oder auf Holzpfeilern
errichtet. Das Obergeschoß ist stets im Fachwerkstil erbaut.
Das Zwischenstockwerk kann niedrig gehalten oder auch in
der Form eines vollständigen Stockwerks erbaut sein. Die
oberen Stockwerke haben im Laufe der Zeit durch die Hinzufügung
von vielen Fenstern und Erkern ein recht interessantes Aussehen
erhalten. Die Fensteröffnungen waren in der Frühzeit unverglast;
nach Aufkommen und Verbreitung des Glaserhandwerks wurden
die Fenster meistens als Flügelfenster, die sich zu beiden
Seiten hin öffnen lassen, konzipiert. Aufgrund westlichen
Einflusses finden sich später auch Schiebefenster. Da die
Ausmaße der Fenster standardisiert sind, ergibt sich so
ein bestimmter Rhythmus, der von den einzelnen Häusern beginnend
ganze Straßenzüge und ebenso ganze Städte einheitlich geprägt
hat. Die Zimmerdecke ist meistens in geometrische Formen
unterteilt und oftmals auch mit Farben dekoriert. Das Dach
ist immer ein zu allen vier Seiten geneigtes Satteldach;
diese Eigenschaft stellt den wichtigsten Unterschied eines
typisch türkischen Hauses zu Häusern anderer Kulturen dar.
Zimmer :
Die wichtigste
Einheit in einem türkischen Haus stellen die Zimmer dar.
Jedes Zimmer ist so angelegt, daß mindestens zwei Personen
darin leben und wohnen können, d.h. jedes Zimmer kann für
den Aufenthalt, zum Schlafen, zum Waschen, zum Essen und
bisweilen sogar zum Kochen genutzt werden. Alle Zimmer gleichen
sich in dieser Hinsicht; sie weisen nur in ihren Ausmaßen
Unterschiede auf. Diese Eigenschaften des Zimmers resultieren
aus der traditionellen Lebensform. Da sich diese über Jahrhunderte
hinweg nicht geändert hat, ist auch die Anordnung und das
Konzept der Zimmer eines Hauses gleich geblieben. Damit
das Zimmer die o.e. Möglichkeiten bereitstellen kann, wurden
Anordnungen entwickelt, mit deren Hilfe bestimmte Faktoren
ausgetauscht werden können. Dies wiederum ist ein Ergebnis
der nomadischen Lebensweise, die auf bestimmten Gewohnheiten
beruht. Die Wohneinheit im Nomadentum bildet das Zelt, und
im seßhaften Leben ist sie das Zimmer. Auch im Zelt ist
es möglich, am gleichen Ort verschiedene Funktionen ihrer
Erfüllung zuzuführen, aber die Übergänge dort sind fließend.
In den Zimmern wurde solch eine Aufteilung durch z.B. Stell-
und Trennwände oder durch bestimmte andere Anordnungen ermöglicht.
Der sich immer in der Mitte des zeltes befindende Herd wird
im Zimmer an einer Wand aufgestellt; dadurch kann der Rauch
sofort nach draußen abziehen. Das Kohlebecken dagegen hat
wie der Herd seinen Platz in der Mitte des Zimmers eingenommen.
Das Innere der Zimmer ist je nach den Erfordernissen der
dort lebenden Menschen in unterschiedlicher Weise ausgestattet.
Die Ausführung verschiedener Funktionen im gleichen Zimmer
wird meistens durch bewegliche Gegenstände gesichert, die
nach Beendigung des Arbeitsvorganges wieder an ihren Platz
zurückgestellt werden. Die Schlafmatratzen werden am Morgen
in dafür bestimmte Schränke geräumt und zur Schlafenszeit
wieder auf dem Boden ausgebreitet. Zur Essenszeit wird das
Tischtuch auf dem Boden ausgebreitet, auf das ein Untersatz
gestellt wird, der die kupferne oder hölzerne Speiseplatte
trägt, an der man sich zum Essen niederläßt. Nach dem Essen
werden alle Utensilien wieder an ihren ursprünglichen Platz
geräumt. Deswegen ist die Mitte des Zmmers immer freigehalten,
und niemals wird dort irgendein Gegenstand für längere Dauer
abgestellt. Ruhebänke und Sitzkissen sind entlang der Wand
aufgereiht. Diese Anordnung von Essen und Schlafen ist im
Palast und auch im Zelt die gleiche. Auch japanische Häuser
zeigen diese Besonderheit, daß nämlich das Zimmer zu verschiedenen
Zwecken genutzt werden kann und deswegen seine Mitte immer
frei gehalten werden muß. Es stimmt nachdenklich, daß Japan,
das vieles aus der Kultur Chinas übernommen hat, nicht auch
die dort benutzten Gebrauchsgegenstände für sich verwendet.
Hier muß man sich zweifellos ins Gedächtnis zurückrufen,
daß von den zwei Wurzeln der japanischen Gesellschaft die
eine in Zentralasien zu suchen ist.
Verschiedene
Grundrisse eines türkischen Hauses :
Der Grundriß
zeigt Zimmerfluchten, die um eine Diele oder eine Vorhalle
herum gruppiert sind. Form, Größe und Ausstattung der Zimmer
ähneln sich im allgemeinen sehr. Aber die zwischen bzw.
vor den Zimmern gelegene Diele weist jedes Mal eine andere
Form auf. Aus diesem Grund werden die Häusertypen nach den
Formen dieser Vorhalle bzw. Diele klassifiziert.
Eine solche Klassifizierung
wurde das erste Mal von S.H. Eldem vorgenommen. Hinsichtlich
der einzelnen Entwicklungsstadien des Grundrisses sowie
deren Bedeutung sieht diese Klassifizierung folgendermaßen
aus : Häuser mit Außendiele, solche mit Innendiele und mit
einer in der Mitte befindlichen Vorhalle, um die herum die
Zimmer gruppiert sind.
Grundriß eines
Hauses mit Außendiele : Dies stellt einen sehr alten
türkischen Häusertyp mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen
dar, der oft durch seine fehlende Symmetrie auffällt. Die
Diele ist an einer oder an drei Seiten des Hauses ohne eine
zusätzliche Mauer nach außen hin geöffnet. Dieser Umstand
führt uns das im Einklang mit der Natur stehende Nomadenleben
der Türken vor Augen, dessen Ausprägungen auch auf die seßhaften
Formen des Wohnens und Lebens übertragen wurden. Diese Diele
ist bei schönem Wetter und besonders im Sommer der Ort,
an dem sich das Leben abspielt und wo alle Tätigkeiten verrichtet
werden. Bei diesem Schema schlüpft jedes einzelne Zimmer
in die Rolle eines Zeltes, und die nach außen offene Diele
stellt die unter einer gewissen Obhut stehende Natur dar.
Meistens werden die beiden äußeren Enden der Diele durch
eine Verlängerung der Seitenmauer des Hauses begrenzt. Die
durch Bögen gestützten Vorhallen sind zwischen zwei Zimmern
liegende besondere Abschnitte. Erst sehr viel später werden
die die Diele stützenden Pfeiler durch Vitrinenglas miteinander
verbunden. Die am reichsten und prächtigsten ausgestatteten
Häuser weisen sowohl Erker- als auch Rundbögenvorhallen
auf. Dieser mit Erkern versehene Häusertyp wurde bis in
jüngste Zeit mit einer verschlossenen Außendiele erbaut;
letzte Beispiele finden sich aus dem 19. Jh.
Häusertypen
mit Innendiele und in der Mitte errichteter Vorhalle :
Dieser Häusertyp
tritt bereits im 18. Jh. auf, erfährt aber erst im 19. Jh.
seine eigentliche Ausprägung. Die wachsende Stadtbevölkerung,
Verkleinerung der für die Errichtung eines Hauses zur Verfügung
stehenden Grundfläche sowie die Verteuerung des Baugrundes
zwangen zur Entwicklung von Häusertypen, die nach innen
gerichtet und enger gebaut waren. Der Wunsch nach einem
ruhigen Leben, die Abwehr von Schmutz und Kälte sowie die
Notwendigkeit, auch die Diele nunmehr jederzeit zum Gebrauch
bereit zu haben, sind soziale Gründe für die Bevorzugung
eben dieses Häusertyps. Dieser klein angelegte, aber geordnete
Grundriß ermöglichte es, eine wachsende Anzahl von Zimmern
beim Häuserbau einzuplanen, die Zahl der Wände durch die
nebeneinander gelegenen Zimmer zu verringern und damit sparsamer
beim Hausbau vorzugehen. Auch der Grundriß mit einer Mitteldiele
ist bereits aus Zentralasien bekannt; in der türkischen
Architektur Anatoliens wurde er aber meist für Bauten wie
Koranschule, Moschee oder Pavillon verwendet. Vor Beginn
des 18. Jhs. waren vor allem die Verwaltungsgebäude großer
Städte in diesem Stil erbaut worden; später aber breitete
sich dieser Häusertyp auch auf alle anderen Bauten der Umgebung
aus. Die Häuser mit Innendiele zeigen meist einseitige Symmetrie,
während die mit einer Mitteldiele in der Regel eine entgegengesetzte,
zweiseitige Symmetrie vorweisen (Abb. 6, 7).
Gestaltungs-
und Entwurfsmethoden :
Einflüsse, denen
das türkische Haus hinsichtlich seiner Formgebung unterlag,
wurden an anderer Stelle schon besprochen. Alle diese Einflüsse
führten zur Herausbildung eines besonderen Charakters des
türkischen Hauses. Nach Aufkommen eben dieses Häusertyps
fand dieser in den o.e. Regionen überall in gleicher Weise
Anwendung, wenn auch die klimatischen Unterschiede bisweilen
recht erheblich waren. Es weist auf eine entwickelte Tradition
des Entwurfs hin, wenn in einem Haus in Antalya und in einem
Haus in Kütahya die gleiche Außendiele zu sehen ist. Ein
solcher Entwurf, der sowohl für das Leben im Sommer als
auch für das Leben im Winter Lösungsmöglichkeiten innerhalb
des gleichen Hauses vorsieht, ist eine Voraussetzung dafür,
den gleichen Häusertyp in verschiedenen klimatischen Zonen
zu errichten. Trotzdem ist das türkische Haus kein Bauwerk,
das in Schablonenform in überall der gleichen Weise erbaut
wurde. Der Entwurf eines Hauses wird beeinflußt durch die
Lebens- und Produktionsformen einer bestimmten Gegend, die
vorhandenen Baumaterialien und den demzufolge entwickelten
Stand der Bautechnologie, der topografischen Besonderheiten
des Baugrundes, ferner auch durch Familienstruktur und den
Grad der Wohlhabenheit. Ein zweiter wichtiger Faktor ist
die Entfernung zum kulturellen Zentrum der betreffenden
Gegend. Das einflußreichste kulturelle Zentrum in der Türkei
ist natürlich die alte Hauptstadt Istanbul; erst dann folgen
Edirne und andere bedeutende Großstädte. eine Widerspiegelng
des kulturellen Lebens des Zentrums in der Provinz ist gekoppelt
an die Intensität der Verwaltungs- und Arbeitsbeziehungen,
die zwischen den Bewohnern jener Gegend und dem Zentrum
bestehen. Nur dann kann der ständige Versuch gelingen, die
Hauptstadt in ihrer Lebensweise nachzuahmen. Aber diese
Nachahmung geschah nicht überall auf die gleiche Weise,
und besonders in später Zeit, in der in der Provinz versucht
wurde, alte Formen weiter am Leben zu erhalten, hat sich
die Baukunst der Hauptstadt anderen Stilrichtungen zugewandt.
Bauweise und
–methoden :
Das hauptsächlich
beim Bau türkischer Häuser Verwendung findende Material
war Holz; die Bauweise war in der Regel der Fachwerkstil.
Diese Bauweise stellte einerseits die Fortführung gewisser
Traditionen dar, andererseits drängte sie sich durch den
vorhandenen Waldreichtum Thrakiens und Anatoliens förmlich
auf. Auch hinsichtlich der Häufigkeit, in der Erdbeben in
dieser Region auftreten können, war diese Bauweise von großem
Nutzen. Die Fachwerkbauweise ist insofern vorzuziehen, als
dabei weniger Holz verbraucht wird und so ein Haus in diesem
Stil auch in einer Region gebaut werden kann, die über keinen
größeren Holzreichtum verfügt. Zum Füllen der Zwischenräume
kann irgendein in der Gegend reichlich vorhandenes Material
verwendet werden. Da ein Haus in dieser Bauweise auch sehr
schnell gebaut werden konnte, entsprach dies den Bedürfnissen
einer Gesellschaft, die sich ständig in Bewegung befand
und ihren Lebensraum auszuweiten suchte, am meisten. Aus
dem gleichen Grunde sind auch die Details dieser Holzbauten
einfach gehalten, und anstelle von komplexen wurden einfache
Zusammensetzungsstrukturen bevorzugt, die sich sehr schnell
mit Hilfe von Nägeln realisieren ließen. Die in deutschen,
englischen und japanischen Häusern zu sehenden dicken Balkenelemente
und die mit besonderer Sorgfalt entworfenen Details sind
bei einem türkischen Haus nicht zu finden. Die gleichen
einfachen Baustrukturen sind auch an amerikanischen Häusern
zu beobachten, und der Grund dafür liegt in der Ausbreitung
dieser Gesellschaft nach Westen, die erst vor kurzem zu
ihrem eigentlichen Abschluß gekommen ist. Auch ermöglichten
es die o.e. Bautechniken, im Falle eines Brandes, der ganze
Stadtteile natürlich im Handumdrehen verwüsten konnte, dieselben
in relativ kurzer Zeit wieder auferstehen zu lassen. Ebenso
spielt die Weltanschauung eines Volkes bei der Ausprägung
der Bauweise eine wichtige Rolle : das Leben des Menschen
ist vergänglich, also hat es keinen Sinn, Häuser für die
Ewigkeit zu errichten. Gemeinschafts- sowie religiöse Bauten
dagegen mußten unvergänglich sein; zu diesem Zweck wurden
sie aus Backsteinen erbaut. So vermochten diese Häuser,
die bei Beschädigung immer wieder aufgebaut werden konnten,
sich nicht nur in harmonischer Weise dem Kunstschaffen einer
bestimmten Epoche anzupassen, sondern auch die wechselnden
Bedürfnisse einer Familie immer wieder aufs neue zu befriedigen.
Die Fachwerkbauweise
bietet Möglichkeiten für das Haus, sich nach außen zu öffnen;
auch ist sie zweckergiebig für das Anlegen von Außendielen,
der Anbringung von zahlreichen Fensteröffnungen, Erkern
und breiten Wetterdächern. Ein solches Haus ermöglicht es,
mit den Unbilden der Witterung fertig zu werden, indem es
in einer feuchten Umgebung atmen kann, so daß die Feuchtigkeit
keine Möglichkeit hat, sich zu verdichten, und die Zimmer
deshalb selbst im Winter immer relativ trocken sind.
Seine Fortführung
über Jahrhunderte zeigt, daß der Fachwerkbau bei breiten
Bevölkerungsschichten Anklang gefunden hat, entwickelt wurde
und mit Leichtigkeit Antworten zu geben vermochte auf die
Kunstströmungen einer Epoche. In der barocken Periode konnten
aus Holz leicht die entsprechenden gekrümmten Formen gewonnen
und diese mit Hilfe von besonderen Methoden der Oberflächenverbindung
miteinander verzahnt werden. In der Neoklassizistik waren
halb verdeckte Säulen, dreieckige Türaufsätze, runde und
flache Bögen sowie dicke Schwellen mit Leichtigkeit zu handhabende
Elemente eines Holzhauses. Die zur Zeit Abdülhamits II.
gebauten, verzierten Bauwerke führten zu einer Wiederbelebung
dieser traditionellen Bauformen und ließen die Häuser wie
aus Spitze gefertigt aussehen. Dieser Art-Nouveau-Stil wurde
in der Türkei mit großem Erfolg bei Holzbauten angewandt.
Dieser neue Stil, der sich gleich an das Kunstschaffen von
Erenköy anschloß, fand große Beachtung und Bewunderung in
seiner Zeit; gleichzeitig ermöglichte er die Ausprägung
von immer neuen Stilrichtungen. Balkone des Dachgeschosses,
Geländer und Balkonverkleidungen sind hierfür sehr schöne
Beispiele. Am Ende des 19. Jhs. wurden alle diese Strömungen
in Verbindung mit einem neo-klassizistischen osmanischen
Stil gebracht und beim Bau von Holzhäusern genutzt. Durch
miteinander verbundene Holzteile, Latten und Profile konnten
zwischen dem Ganzen und seinen Einzelheiten ein gewisses
Verhältnis hergestellt, rhythmische Aufteilungen geschaffen,
Licht und Schatten in spielerischer Form verwendet werden;
bisweilen wurden sogar farbige Stickereien, Gemälde und
auch Randverzierungen hinzugefügt.
Beispiele für den Häuserstil
in Safranbolu
Beispiele Türkischer Häuser
aus verschiedenen Regionen