Der ‘ YAYLA’ – Begriff verweist
auf die Hochebene der Gebirge im mittelanatolischen Gebiet.
Sie waren der Schauplatz der Geschichte, sie waren der Stoff aus dem
die Legenden geschaffen und die Maerchen geschliffen wurden.
Die Geschichte hat in diesen ‘ Hochebenen’ den Anschein von einer Flut.
In diesen Hochebenen hinterliess die Geschichte somit nur
ein windiges Brausen neben den Spuren der türkischen Kultur.
Die Hochebenen in Anatolien, welcher Art auch immer, ob trocken oder
feucht, belüftet oder besonnt, bilden die Grundlage für
gesunden und festen Wachstum.
Der Weizen ist ausdauernd, stabil und hart. So aehnlich wie der Mensch
selbst in diesen Gebieten, der den Charakter dýeser Menschen
praegt.
Der Mensch der Hochebenen gleicht seinem Boden; von aussen unscheinbar,
von innen aufgeweckt und mit Tiefe und Sinn ausgestattet.
Das Wasser der Hochebene wird durch Grabungen geborgen.
Auch der Mensch der Hochebene muss aehnlich ausgeschöpft
werden. Der Mensch bringt seine eigene Tiefen. Der Bewohner
der Hochebene laesst nur infolge mühseligen Aufwandes an
die Tiefen seiner Seele herantasten.
So wie eine Hochebene einen eher stillen
Anschein hinterlaesst, wirkt auch der Mensch der Hochebene
still und in erster Linie dickfaellig.
Aehnlich wie das Wetter in der Hochebene,
staut der ‘YAYLA’ Mensch seine Kraft in allmaehlicher Geschwindigkeit
auf, sodass er wie die ‘YAYLA-Flut’ in einem einmaligen
Zug ausbricht; Steine aufwirft, Daecher abreisst, Schornsteine
wegfegt und Wurzeln ausreisst.
Der ‘YAYLA’-Weizen waechst vorerst recht
unscheinbar heran, da sie vorzeitig eine innere Reifungsphase
durchlaeuft, aehnlich wie ihre Menschen, die von aussen
im ersten Anblick dürre und schwach erscheinen. Auch bei
ihen geht die Kraft in die Nerven, die Energie in die Seele
über. Der’YAYLA’-Mensch nimmt sich was er fasst, und laesst
sich nicht aus seinen Wurzeln reissen.
Ohne Zweifel habt auch ihr gesehen, dass
die Wurzeln eines Baumes in Ankara eine bestimmte Tiefe
aufweisen.
Sie laesst zuerst vermuten, dass sie mit
einem Zug ausgehoben werden kann, aber die Wurzeln sind
unerschöpflich.
Die Wurzeln , der in bestimmten Gebieten
anfaenglich bereits gerodeten Baeume Anatoliens selbst gleichen
einem Baum, ihre grünen Blaetter und Früchte nach aussenhin,
die Wurzeln die den Hochebenen gleichkommen, nach innenhin.
Die Hochebene ist Wurzel und Rumpf zugleich.
Die Stimme der ‘YAYLA’ ist trocken, ihre
Augen sind leer, aber ihr Ýnneres bewahrt die Glut, ihre
Lieder sind betagt. Die ‘YAYLA’ weint innerlich wie die
Gewaesser, die durch sie fliessen.
Die ‘YAYLA’ ist die Maske einer grossen
und sich bewahrenden Seele.
Die ‘YAYLA’ ist der Ort, wo leere, stille
und verblasste Augen eine Glauben finden und ausgetrocknete
Lippen befeuchtet und bewegt werden.
Die ‘YAYLA’ bildet wie einer der vielen
Gebiete Anatoliens einer der bizzaren Schönheiten dieses
Landes.
Sie hört, will und sagt immer mit bestimmten
Verspaetungen, aber trotzallem ruht in ihr die Gewissheit
eines geheimen Sieges und Harmonie.
Ýhr Mensch gleicht ihrem Boden; sie blüht
erst nach langfristiger Liebe und Pflege auf.
Die ‘YAYLA’ ist nicht langsam , sondern
geduldig, vorsichtig und statt mit Nacktheit mit einer Distanz
ausgestattet.
Die ‘YAYLA’ zaehlt als die Wiege der Türken
und stellt auch eine letzte Grenze dar; demnach symbolisiert
sie zum Teil das Türkensein an sich.
Fatih Rifki ATAY
Das Nomadentum wird als ‘ eine Lebensform
von Gemeinschaften , die die für ihren Lebensbedarf notwendigen
Quellen aus Jagen uns Sammeln beziehen, welches in ihrem
Ursprung an das Hirtentum gebunden ist, und somit nicht
ansaessig sind’ definiert.
Eine Form der nomadenhaften Tierzucht
stellt ds ‘YAYLA’-Prinzip dar.
Der Soziologe Ziya Gokalp erwaehnt in
seinem Buch ‘ Türkische Zivilisationen’ dass jedes türkische
Stamm sowohl einen Fluss, als auch einen Berg umsich herum
besass.
Das Flussgebiet fungierte als Winter-,
das Berggebiet als Sommeraufenthalt. Die Nomaden verbrachten
zeitweise die vier Jahreszeiten an verschiedenen Orten.
In dieser Zeit (vor dem Ýslam) galt der
Sommer als Frühling und wurde als ‘YAY’ bezeichnet. Die
an Jahreszeiten gebundenen Aufenthaltsorte hatten folgende
Bezeichnungen.
1. YAYLA =
Aufenthaltsort im Frühling
2. YAYLA =
Aufenthaltsort im Sommer
3. YAYLA =
Aufenthaltsort im Herbst
4. YAYLA =
Aufenthaltsort im Winter
Einige Gemeinschaften wechselten jaehrlich
zweimal ihren Aufenthaltsort.
Das Resultat der auf Landwirtschaft beruhenden
Ökonomie unseres Landes hatte die daran gebundene automatische
weitflaechige Ansiedlungsform zur Folge.
Unter diesen ortsgemeinschaftlichen Anschiedlung
ist eine Ansiedlungsform zu verstehen, dieisch auf Dörfer
oder dorfaehnliche kleinere Gemeinschaftsformen ausstreckte.
In diesen Geimenschaften bestanden langfirstig-kurzfristiges,
grosse-kleine und zentrale-dezentrale Wohnformen.
Einer der wichtigsten Formen dieser Ansiedlungsformen
stellen die als Feldhaus, Bauernhof, Lehmhaus, Gartenhaus,
usw. bezeichneten dorfaehnlichen Winter- oder Sommerresidenzen
dar.
Diese Ansiedlungsform wurde neben geographischen
Faktoren, auch von bestimmten historischen, sozialen und
ökonomischen Faktoren bestimmt.
Ýn ihrer geographischen Definition bezeichnet
die ‘YAYLA’ eine mit Flussbetten durchkreuzte und aufgeteilte,
aber dennoch Flachebenen aufweisende Formen der Erdoberflaeche,
bzw. ein ‘Plateau’.
Ýn ihrer ansiedlungstechnischen Bedeutung
bezeichnet sie einen Aufenthaltsort , der im Winter im allgemeinen
unbesiedelt bleibt, aber dafür im Sommer zeitweise für die
Gemeinschaft, neben der Landwirtschaft für die Viehzucht
und damit für die Gewinnung und Bewahrung von Butter- und
Kaeseprodukten als ein relativ kühles Aufbewahrungsort fungiert
und somit auch als Weideplatz fungiert.
Auch heutzutage werden Weideflaechen in
Hochebenen in dieser Form bezeichnet.
Kurzer geschichtlicher Abriss:
A: Unser Land:
Vor dem Eintritt der türkischen Staemme,
kann in Anatolien auf keinen Nomadentum gestossen werden.
Die Viehzucht war an eine ansaessige Siedlungsform gebunden.
Die Fortführung der normadischen Lebensform
der türkischen Staemme aufgrund der Einstellung auf die
mittel-asiatische Steppenlandschaft in Anatolien, legt die
an die sozio-ökonomischen Verfallphase gebundenen Bedingungen
der anatolischen Geschichte offen. Mit der Zeit ist eine
Ansaessigkeit der türkischen nomadischen Staemme zu beobachten.
Ým 13. Jahrhundert kann die Lebensform
des anatolisch-türkischen Dorfbewohners, neben einem anfaenglichen
Stadtleben mit einem Nomadentum in südwestlichen und westlichen
anatolischen Gebieten, sowie einer Ansaessigkeit im Ýnnenanatolischen
und dem Sivas- und Amasya-Gebiet, generell in zwei Bereiche
unterteilt werden.
Neben der Tatsache, dass die Viehzucht
in Anatolien als traditioneller Bestandteil der landwirtschaftlichen
Produktion galt, der die türkische Wirtschaftsform bezeichnete,
ist nicht zu übersehen, dass auch die geographischen Besonderheiten
vorallem für diese Wirtschaftsform besonders geeignet waren,
sodass in dieser Zeit die Hochebenen verstaerkt von türkischstaemmigen
Bewohnern besiedelt wurden.
Ýn der Epoche der Seldschuken, in der
das Stadt- und Dorfleben besondere Entwicklungen aufzeigte
und der Handel und die Landwirtschaft belebt wurde, ist
zu beobachten, dass die Gemeinschaften in den Dörfern verstaerkt
mit Landwirtschaft und Viehzucht und die Gemeinschaften
in den Staedten schwerwiegend mit Handel beschaeftigt waren.
Dieses Wirtschaftsleben, dass vorallem
auf die Viehzucht basierte und ihrer gemeinschaftlichen
Organisationsform dem Nomadenhaften der türkischen Staemme
hinsichtlich der Viehzuchtwirtschaft entsprach, beeinflusste
lange Zeit das Wirtschaftsleben der umgebenden Dörfer, Gemeinden
und Staedten.
Ým 16. und 17. Jahrhundert, indem das
osmanische Reich aus wirtschaftlicher Sicht grosse Entwicklungen
erzielte und eine politische Stabilitaet aufwies, ist parallel
dazu die vermehrte Entwicklung des Dorf- und Stadtlebens
in Form der zunehmenden Ansaessigkeit und damit der anzahlmaessigen
Zunahme von Dörfern zu verzeichnen.
Auch die mit den millitaerischen Niederlagen
im 18. und 19. Jahrhundert zusammenhaengenden Landverluste
über den Balkan, beschleunigten die Einwanderungstendenzen
aus dem Kaukasus, die eine Beschleunigung der Ansaessigkeit
dieser Einsiedler nachsichzog und die Dorfanzahl ansteigen
liess, die sich vorallem auf die Einwohnerzahl der Gebiete
im Marmara, Aegais, Mittelmeer und im nordwestlichen Anatolien
auswirkte.
Da diese Einsiedler jedoch statt Viehzucht
eher auf Landwirtschaft spezialisiert waren, besass die
an die Viehzucht gebundene ‘YAYLA’ –Kultur in diesen Einsiedlerdörfern
keine grosse Bedeutung.
Ým osmanischen Reich wurde auf staatliche
Ebene die Ansaessigkeit gefördert, wohingegen das Nomadenhafte
vermindert wurde.
Der ansteigende Bevölkerungswachstum,
die Entwicklung der Landwirtschaft, die Eingrenzung von
Auswanderungen mit den Grenzziehungen der Republik, unterdrückte
die Siedlungswege und förderte die verstaerkte Ansaessigkeit
der Einsiedler.
Es kann beobachtet werden, dass die Einsiedler
mit anfaenglich ausschliesslichen Nomadenleben allmaehlich
mit der Entwicklung der ‘YAYLA-Kultur sesshaft wurden.
Heutzutage begrenzen sich die Einsiedler
in den südwestlichen Gebieten Anatoliens und am Toros und
verringern sich anzahlmaessig.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass
das oben beschriebene auf Viehzucht beruhende Nomadentum
von einer ‘YAYLA’ –Kultur in diesem Sinne getrennt werden
muss, dass die Nomaden auf ihren weitstreckigen Wanderugen
die ‘YAYLA’-Kultur nur im begrenzten Ausmass ausübten und
bei ihnen wie bei den Halbnomaden die Viehzucht eher auf
kleinere Tiere durchgeführt wurde, sowie die im Gegensatz
zu den Nomaden, die durch den staendigen Ortswechsel keine
bestimmte ‘YAYLAS’ und Tierunterkünfte aufweisen.
Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts
bemerkten einige westliche Wissenschaftler die Bedeutung
des ‘YAYLA’-Prinzips für ihre Kultur.
Auch im anschliessenden 19. Jahrhundert
wurden hinsichtlich der Stellung des ‘YAYLA-Prinzips wissenschaftliche
Arbeiten in Bayern, Frankreich und Ýtalien unternommen.
Ým Anschluß daran wurden Ende des 19.
Jhr.und Anfang des 20. Jhr. spezielle Magazine und Bücher
in diesen Themen veröffentlicht.
Die ersten Hutzer dieses “Yayla”- Prinzips
waren schwerpunktsmäßig Botaniker und Spezialisten, die
sich für eine rentablere Ausnutzung der Weideflächen interessierten.
Später traten Forscher auf Gebieten der
Düngens sowie Techniker für Entwicklung und Planung des
Dorflebens und zoologisch Techniker, die sich mit der optimalen
Beweidung von Tieren auseinandersetzten.
Auch Spezialisten für die Käseproduktion
sowie Juristen, die sich auf die Nutzungsrechte der Weiderlandschaften
spezialisierten und Wirtschaftsspezialisten, die sich auf
die rentable Nutzung dieser Weideflächen konzentrierten,
interessierten sich für diesen Nutzungsbereich.
Das “Yayla”-Prinzip bezeichnet die jahreszeitlich
gebundene ökonomische Aktivität von Menschengruppen (Berg-
Wald- und Taldörflern) über einen Zeitraum von 1.5 bis 2
Monaten.
Prinzipiell geht sie auf die instinkte
Anpassung von Menschen und Tieren hinsichtlich der jahreszeitabhängigen
Aufenthaltsdauern auf Bergen und Flachebenen zurück, und
spiegelt die natürliche Lebensform des Tieres wieder.
Auch mit der Entwicklung der Lebensformen
und der Landwirtschaft in den Flachebenen, wurde die unteren
Bergröcke oder gemeinsamen Weidegebiete nicht ohne weiteres
vernachlässigt, sodaß damit die Grundsteine für die heutige
“Yayla”- Lebensformen und Bergökonomie gelegt worden.
Die Viehzucht des “Yayla”- Prinzips beruht
auf die sommerliche Weidung und winterliche Unterkunft in
den Ställen.
Die Menschen besitzen somit neben ihren
Winterhäusern in den Dörfern, auch Unterkünfte in den Hochebenen
der Berge.
Auch schließt das “Yayla”- Prinzip eine
halbwegs ansässige Lebensform ein, sodaß neben der Agrarwirtschaft
und Viehzucht, auch Gärtnerei und Handarbeiten an Bedeutung
gewinnen.
So werden die Hochebenen teilweise als
Flächen zur Erringung von Nebenverdiensten betrachtet.
Die bestiegenen Hochebenen weisen aus
geographischer Hinsicht weitflächige Ebenen mit Wiesen-
und Weidelandschaften, reichen Wasserquellen in 2000- 3000
m Höhe auf.
So werden die verschiedenen Gebiete unseres
Landes, in den “Yayla”- Aktivitäten mit denselben Zielen
kurzfristig genutzt wird als sogenannte “Herbst- Yaylas”
bezeichnet.
Diese Bezeichnung geht vorallem auf die
schwerpunktsmässige Besiedlung im Herbst zurück.
Die als “Bârgah” bezeichneten Orte, stellen
die kurzfristig genutzten Weideflächen bei der Hochgebirge
dar.
Diese sind den Dörfern näher als den Hochgebirgen
selbst.
Auch bestehen winterliche Aufenthaltsplätze.
Für den Schutz und die Weidung der Tiere in kalten Winterzeiten
dienen diese als sogenannte “kiþlak” bezeichneten Orte,
die in den unteren Hochgebirgen anzufinden sind, die statt
den Unterschlupffunktion der Menschen hauptsächlich dem
Schutz der Tiere dienen sollen.
An diesen Orten können Einzäunungen von
Weidetieren und Molkereiproduktionen ausgeübt werden, da
es Gebiete sind, in denen wenig Schnee und Kälte, aber reiche
Wiesenflächen auffindbar sind.
Diese winterlichen Aufenthaltsorte befinden
sich in dem Umkreis von verschiedenen Waldlandschaften.
Der Stellenwert des “Yaylas” in der
Türkei
Die in der Türkei betriebene Besiedlung
der “Yayla” weist eine horizontale Bewegung auf. Trotz gewisser
Unterschiedlichkeiten fängt sie generell im April oder Mai
eines Jahres an und führt 15-20 Tage fort. Nach 3-4 monatigen
Aufenthalten von ökonomischer Natur in diesen Gebieten fängt
Ende August Anfang September beginnt die Rückwanderung in
die bewohnten Flachebenen.
Der Umstand, daß Anatolien von Außen
nach Ýnnenhin eine Höhenzuwachs aufweist und somit morphologische
und topographische Unterschiedlichkeiten in ihrer Pflanzendecke
und ihren Klimabedingungen zeigt, bietet die Grundlage für
die Optimalität der “Yayla”- Kultur.
Neben
den in den mittleren Breitenkreisen fallenden Gebiete der
Türkei, die eine Wärme für die Flachebenen bedeuten, bieten
die in 1000-2000 m Höhe liegenden Gebieten ideale Lebensbedingungen
in ihrer kühle und natürlichen Schönheit.
So können diese Gebiete als vollkommene
Ferienorte und die tieferliegenden Flächen hingegen als
Ruhe- und Weideplätze genutzt werden.
Die Hochebenen umfassen das Gebiet von
Nordanatolien, angefangen vom westlichen Artvin bishin zu
den Bergketten zwischen dem Schwarzen Meer und der Çoruh-
Oase.
Am verstärktesten befinden sie sich im
nördlichen Artvin bishin zu der Küste des Schwarzen Meeres
des Ortes von Findikli.
Ýn der Gegend von Göbele treten sie eher
vereinzelt auf.
Die ab Gerede hin zu Artvin ständig zunehmenden
Hochgebirge sind am extremsten in dem Vorat Ünye von Ordu
anzutreffen.
Diese “Yayla”- Kette die die Küste bishin
zu Kastamonu verfolgt, tritt ab dieser Gegend wieder ins
Landinnere.
Am westlichen Rand des schwarzen Meeres
befindet sich somit die erste, in ihrer nördlichen Ausrichtung
die zweite “Yayla”-Kette, die folgende Städte umfasst: Ardahan,
Þavþat, Aþkale, Kayluhisar, Suþehri, Tokat, Gümüþhaciköy,
Ýlgaz, Ankara, Çankiri und Eskiþehir.
Auch Kizilcahamam, welches sich in der
nördlichen Ausrichtung von Gerede und Bolu befindet, ist
aufgrund ihrer Höhenlage einer der bedeutensten Hochebenen,
dem sich auch die Sündiken-Berge anschließen.
Die bedeutensten Hochebenen in Ýnnenanatolien
befinden sich in westlicher Ausrichtung des Tuz- Sees, welches
im Norden Ankaras liegt sowie auch die Berglandschaften
im Westen Konyas.
Auch die Toros- Berge sind “Yayla”-Plätze,
wobei dies in diesem Gebiet am verstärktesten in Antalya
und dem Suðla- See betrieben wird.
Auch zählen die westlichen Bereiche der
Erciyes-, Sultan und Eðridir- Berge, sowie die Aladað- und
Madran- Berge der Toros zu bedeutenden “Yayla”- Orten.
Die Flachebenen Anatoliens und die Meeresküsten
zählen somit eher zu winterlichen Aufenthaltsorten.
Diesem schließen sich folgende an Flüssen
und ähnlichen Flachebenen angrenzende Orte; der obere Bereich
der Flachebene des Meretevi in der Nähe des Çoruh- Flusses
im Westen Artvins, der Dil- Bereich im Westen des Aðri-
Gebirges, West- Beyazit im Westen des Aðri- Gebirges, der
Diyadin- Bereich, die Deltas Yeþil- und Kizil- Flusses,
der Küstenbereich des Mittelmeeres, bestimmte Bereiche Adanas,
Amiks und Sivas, Hekimhans westliche und nördliche Ausbreitungen,
der nördliche Bereich Konyas, der Ergene- Bereich Trakiens
sowie Teile von Enez und Tekirdað.
Mit der Zeit wurden diese winterlichen
Aufenthaltsorte zu ständigen Bleiben. Dieser Umstand wirkte
sich auch auf die Namensgebung aus, sodaß folgende Orte
diesen winterlichen Aufenthaltscharakter dieser Gegenden
wiedergeben; verschiedene Dörfer von Konya (Kizilca, Ag,
Kir,Kuyu, Koþ, Bucak, Çay, Dere, Gökçe, Yeni, Kara, Aydin)
sowie Kiþlaköy, Kiþla, Kariyyesi.
Auch bestimmte Städte und Stadtkreise
deuten auf diesen Umstand, wie die Städte Ulukiþla, Sarikiþla
und Baþkiþla.
Am Anfang dieses Jahrhunderts besaßen
neben den Dörfern auch die Städte bestimmte Gartenanlagen,
so z. B. die Bezirke Keçiören, Dikmen, Seyran, Etlik der
Stadt Ankara, Meram in Konya, Gesi und Erkilet in
Kayseri, Gürün in Sivas, Buzluk in Elazið,
Kozanli in Þereflikoçhisar.
Dies waren Orte wo winterliche Nahrungsmittel
wie Wurst und Schinken , getrocknetes Obst und Gemüse in
einer kühlen sommerlichen Atmosphäre hergestellt werden.
Mit der Entwicklung und Ausweitung der
Städte verschoben sich diese Gebiete mit der Zeit ins Stadtinnere.
Ein weiteres Beispiel liefern die Gartenanlagen
in Muðla, die interessanterweise unter der Höhenlage der
Stadt selbst liegen.
Die horizontale Ausbreitung des “Yayla”-
Prinzips bewegt sich in den Gebieten am schwarzen- und am
Mittelmeer, sowie am Ägai und im östlichen Anatolien, wo
sie am verstärktesten betrieben wird.
Ým Bereich des schwarzen Meeres wird sie
im oberen Bereich der Waldgebiete im 2000-2200 m Höhe betrieben,
wo im Sommer auch teilweise Viehzucht betrieben wird.
Am Mittelmeer dagegen dienen diese Aktivitäten,
sowohl ökonomischen, als auch zu Ferienzwecken. So werden
die Orte Çamlýyayla, Ulaþ, Meþelik, Çamalan, Damlama, Gözne,
Belen, Kuzucubelen, Fýndýkpýnarý, Aslanköy von nomadenhaften
“Yayla”- Aktivitäten *****
Die Unterkünfte bestehen trotz ihres Dauerhaftigkeit
aus größtenteils aus Zelten. (Die Tourismus- ausgerichteten
Unterkünfte sind moderner ausgestaltet.)
Im ägaischen- sowie Mittelmeerraum ist
eher eine vertikal ausgerichtete “Yayla”- Aktivität zu verkennzeichnen.
Im Ägai bestehen dauerhafte Unterkünfte. Die “Yayla”,- Aktivitäten
werden von Nomaden betrieben. Diese kehren nach ihren Besiedlungen
der Hochebenen in 1800- 1900 m Höhe (in Aydýn,- Horaz- und
Madran- Bergen) anschließend erneut zu ihren Winterunterkünften
zurück.
Hier besiedeln die Nomaden (die im Volksmund
auch als “Yörükler” bezeichnet werden), die aus westlichen
Gebieten Anatoliens kommen die ägaischen Flachebenen und
Hänge für ihren Winteraufenthalt. Im Sommer dagegen kehren
sie wiederum in die inneren und höheren Gebiete der “Yayla”-
Gebiete.
Im Ostanatolien wird diese “Yayla”- Bewegung
in den Plataeus der Höhe von 2000- 2700 m (vorallen in ten
Tortum-, Kars-, Güllu-, Karasu-, Allahuekber- und Aras Hochebenen)
mit einem 3- 3,5 monatigen Aufenthalt der Mai- und Junimonate
in einer horizontalen Entgegenbewegung beendet.
Auch gibt es in unserem Land eine weitere
vertikale “Yayla”- Bewegung, in der zwischen dem Auswanderunsort
und dem Besiedlungsort kein prozentmäßiger großer Höhenunterschied
besteht wie in den Meram- Wiesenanlagen in Konya.
Abgesehen von den oberen Bereichen Sakaryas
in Innenanatolien sowie den Hochebenen des Erciyes- Gebirges
im Süden Kayseris, befinden sich die Plateaus und Dorfsiedlungen
in ähnlicher Höhenlage mit den “Yaylas”, die man sich als
Weideflächen mit Hirtenhütten vorstellen kann.
Die Unterkünfte der Yaylas, sind in Form
von ansässigen und nomadenhaften Unterkunftsorte vorstellbar.
Der Zustand der ansässigen Unterkunftsformen
ist abgesehen von dem Kultur- und Reichtumsgrad ihrer Besitzer
größtenteils zur Ausübung der Viehzucht hin konstruiert.
Die Wohnflächen mit Schlaf- und Küchenräumen
sowie einem Innenhof, werden von Nebenbauten wie Ställe,
Einzäunungsflächen für Weidetiere sowie Molkereibereiche
ergänzt.
Die Baustoffe dieser Bauwerke bestehen
im Mittelmeerraum aus Steinen, in Innenanatolien aus Ziegeln
und Holz- Stein- Gemischen, im Schwarzmeerraum aus Holz
(der Dach; Holz, Ziegel, Blech), in Ostanatolien dagegen
aus Steinen (der Dach: Lehm).
Neben der gesundheitschädenden Gefahr
einiger dieser Bauten werden in Ostanatolien diese Sommersitze
als moderne Bauten realisiert. (Soðukoluk, Belen, Zigna,
Hamsi- Dorf).
In diesen 2- 3 stöckigen Häusern befinden
sich neben Küchen-und Baderräumen eine Vielzahl von Ergänzungen
einer modernen Einrichtung.
Trotz dieses Umstandes hinterlassen diese
Bauten aufgrund ihrer kurzfristigen Benutzungsdauer insgesammt
eher einen nachlässigen Eindruck.
In unserem Land existieren über ca. 26
000 “Yayla”- Zentren. Aus diesen Zahlen kann erschlossen
werden, daß fast jedes Dorf durchschnittlich bis zwei Yaylas
besitzt.
Demnach kann in unseren über ca. 36 000
Dörfern größtenteils Yayla- Aktivitäten verzeichnet werden.
Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt,
daß in Gebieten um Erzurum, Kars und Bolu jedes zweite und
dritte Dorf “Yayla”- Aktivitäten betreibt; wird die Relation
zwischen Dörfern und “Yayla”- Aktivitäten in unserem Land
deutlich.
Es kann zwar beobachtet werden, daß die
Yayla- Aktivitäten in unserem Land verstärkt aus tourismus-
gerichteten und ökonomischen Zwecken erfolgreich betrieben
werden und durchaus als Investierung anzusehen sind, doch
wirkt diese Investierung im Vergleich zu der Yayla- Anzahl
eher relativ.
Es kann jedoch festgestellt werden, daß
das “Yayla”- Prinzip in der Türkei eher auf eine Viehzucht-
Ökonomie basiert, und den Bauern (vorallem in Ostanatolien
und am Schwarzmeer) große Einkünfte einbringt und somit
ihre Unterhaltskosten reguliert (Viehzucht, Scherwolle,
Heu).
Die Gesetzlichkeiten der “Yayla”
Die Sommer- und Winterunterkünfte weisen
aus juristischer Hinsicht keine Unterschiede auf und sind
hinterlassene Besitztümer. Ihre Unterscheidung ist natürlicher
Art.
Aus regulärer Hinsicht muß die Kategorisierung,
ob ein Gebiet eine Sommer- oder Winterunterkunft darstellt
zuvor im Grundbuch eingetragen sein (Grundstücksgesetz 101.
Artikel).
Die Vermietung dieser Unterkünfte, sowie
Kriterien wie der Heu- und Wasserzustand oder die Flächenmäßige
Ausweitung obliegen dem Bürgermeister, dem Rat der Alten
oder dem Herren in der Stadt.
Der 10. Artikel des Grundstückgesetzes:
Das sämtliche Volk willigt ein, daß in dem Sommer- und Winterunterkünften
Agrarwirtschaft und Feldhütertum betrieben werden darf.
Hier soll auf den Weide- Gesetz, daß mit
der Veröffentlichung am 28. Februar 1998 im Staatsanzeiger
in Kraft getreten ist hingewiesen werden.
(Aus Platzgründen und Ausführungen in
vorigen Schriften wird hier eine Wiederholung vermieden.)
Die Bedeutung der Yayla aus der Sicht
der Lebewesen
Der “Yayla”- Begriff wird auch als die
Bezeichnung von hochgelegenen Orten, in denen man sich im
Sommer ausruhen und entspannen kann, verwendet.
Heutzutage
werden einige “Yaylas” auch aus touristischen Zwecken zu
Feriendörfern umgebaut und konstruiert.
Dies zeigt die sich verändernde Perspektive
des ursprünglichen “Yayla”- Prinzips.
Im Bergklima ist die Luft leichter, natürlicher,
antibakterielle und weist einen geringen Sauerstoffgehalt
auf.
Dies hat zurfolge, daß man hier tiefer
atmen kann und Lungen und das Herz entlastet werden.
Zudem führt der geringe Sauerstoffgehalt
zu einer vermehrten Rotkörperchen- Produktion (bis zu 20%)
des Blutes im Körper.
Die Wirkung der Sonnenstrahlen nimmt mit
der Zunahme zur Meeresebene zu. Die sonnigen Tage sind hier
im Gegensatz zu den Flachebenen anzahlmäßig verstärkter,
sodaß diese Gegebenheiten die Ausdauer und Regulierung des
Nerversystems verstärken.
Die Yayla ist für die Zuchtwahl der Tierzüchter
von großer Bedeutung.
Das “Yayla”- Grundstück bietet aufgrund
ihren Eigenschaften der ständigen Bewegung der Tiere bei
ihrer Nahrungssuche und der damit zusammenhängenden guten
Durchblutung und Sauerstoffwechsels optimale Bedingungen
für die Viehzucht.
Die Yayla bietet durch ihre Steilhänge
gute Voraussetzungen für einen gesunden Körperbau, starke
Knochen, einen muskulösen Bau, opmale Bein-, Brust-, Rücken-,
Schenkel-, Fuß- und Nagelformen und steigert die Kraft und
Ausdauer sowie die Langlebigkeit und Stabilität von Milch-
und Zuchttieren. Aus diesem Grund bewahren sie auch bei
der Abgabe an die Landgenossenschaften ihre Qualitäten (Fleisch,
Milch u.s.w.).
Zudem entfällt die tägliche Stallpflege
der Bauern.
Das Bergklima, welches die Nahrung der
Tiere beeinflußt den Reichtum von Vitaminen, Mineralien
und Proteinen der Tiermilch in positiver Hinsicht. Zudem
sollte festgehalten werden, daß viele Almkräuter gesundheitsheilende
Wirkungen aufweisen.
Die Geburt und Geburtstradition in
der Yayla
Früher wurden die Geburte in der Yayla
mit Hilfe einiger Frauen in den Zelten realisiert. Heutzutage
werden die Geburten in den nahegelegenen Ortschaften verwirklicht.
Früher benachrichtigte die zu gebärende
Frau nicht sofort ihre Nachbarn, sondern wartete geduldig
bis ihre Geburtswehen eintraten und benachrichtigte erst
dann jemanden aus der Nachbarschaft.
Anschließend wurde ein Feuer in dem Zelt
gelegt, um nach der bevorstehenden Geburt die Mutter säuberlich
mit warmen Wasser zu reinigen.
Dann wird die Mutter solange im Zelt herumgeführt
bis ihre Wehen periodisch werden um sie anschließend ans
Feuer zu setzen. In einem weiteren Schritt wird ein Seil
am Zeltpfahl befestigt, an welchen sich die gebärende Frau
bis zu ihrer Geburt in der Sitzposition hängt und dabei
zur Sicherung ihres Dückendruckes eine weitere Frau bis
zur Realisierung des Geburtsaktes behilflich wird.
Um die Geburtsbedingungen zu erleichtern
entwickelten Frauen folgende Praktiken:
* Das als “Glockenblume” bezeichnete Kraut
wird im Wasser aufgelöst und der Gebärenden als Flüssigkeit
trinken lassen.
·
Sie wird dreimel unter einem Kamel durchgehen
lassen, wobei sie dabei ein bestimmtes Gebet errichten muß.
·
Sie trinkt dreimal Wasser aus der Hand einer
Frau, deren Geburt sehr leicht gewesen ist.
·
Unter die Fußsohlen der Frau wird erwärmter
Boden gestreut.
Nach der Entbindung werden einige Frauen
sehr kraftlos und werden ohnmächtig, welches als “Kellendi”
bezeichnet wird. In dieser Situation läßt man dieser Frau
eine Zwiebel riechen oder streut erwärmten Boden unter ihre
Füße.
Wenn das Kind nach der Entbindung kein
Laut von sich gab, wurde die Nabelschnur in Richtung des
Kindes gemelkt, anschließend wurde die Nabelschnur abgetrennt
und diese Stelle mit Olivenöl berieben.
So kümmerten sich ein Teil der Frauen
mit dem Kind und ein anderer Teil mit der Mutter, deren
Mutterkuchen mit der Druckausübung an beide Bauchstellen
abgelöst wurde. Falls dies ohne erfolg blieb wurde sie auf
einen Wasserdampf aus Heu gesetzt.
Um die unangenehme Gerüche des Kindes
zu vermeiden, wurde es mit Salz eingerieben und ein Salz-
Zucker- Gemisch in den Mund gegeben. Bevor das Kind erstmals
gesäugt wurde, wurde ihm Zuckerwasser verabreicht.
Gleich nach der Entbindung wird die Frau
gewaschen und auf erwärmten Boden gelegt. Um das Frieren
der Frau zu verhindern werden ihr 2-3 Eßlöffel von einer
zubereiteten Butter- Honig- Rübensaft- Gemisch verabreicht.
Bei einer Erstgeburt mußte die Frau eine
spezielle Perle schlucken.
Nach der Geburt zählt die Frau als Wöchnerin.
Am nächsten Tag wird sie von ihren Nachbarn,
die ihr Zimt- Grützen zubereitet haben, besucht.
Um das Kind vor den Kinderbettfieber zu
schützen wird es mit einer roten Bedeckung zugedeckt. Um
es vor dem Teufel und einer evtl. Krankheit zu schützen,
werden am Kopfrand des Kindes Brotkrümmel, ein Messer und
ein Spiegel hinterlegt.
Der Name des Kindes wird durch das Aufrufen
des Muezzins- Gebets in sein Ohr geflüstert. Die Namensgebung
richtet sich nach der Namen der ältesten in der Gemeinschaft.
Um ein Kind im Kindesfieber vor bestimmten
Krankheiten zu schützen wird z.B. bei einer Fleisch- Schlachtung
von Nachbarn das Teil des Fleisches über das Kind gehalten
und gereinigt oder das Kind wird auf dieses Fleisch gelegt,
da man glaubt ansonsten würde das Kind nicht laufen können
(da das Fleisch das Kind überwältigen könne).
Bei einem Todesfall werden u.a. alle Hausgegenstände
einzelnd leicht geschüttelt und erneut an ihre Plätze gestellt.
Auch wird einer evtl. Gefährdung des Kindes
durch Mehl das aus der Mühle kommt, dadurch das Kind auf
dieses Mehl gelegt oder das Gesicht des Kindes mit Mehl
eingerieben wird, vorgebeugt.
Eine andere Form das Kind vor dem Kinderfieber
zu schützen liegt in der Bereitung eines Säckchens, in welchem
zuvor 40 Steinchen gelegt werden und jeden Tag nach dem
Bad des Kindes ein Steinchen aus dem Sack entfernt wird.
Am 40. Tag werden erneut 40 Steinchen in ein großen Kessel
gelegt und Wasser damit erhitzt um damit anschließend alle
Hausbewohner und Hausgegenstände mit diesem Wasser gereinigt
um den evtl. Tod des Kindes vorzubeugen.
Wenn nach der Geburt des Kindes ein Tier
stirbt, wird das Kind an einer Weggabelung über ein Fleischstück
gebadet, um zu verhindern, daß es mondsüchtig wird. Eine
andere Methode liegt in der Aufwiegung des Kindes mit Salz.
Dabei wird das Kind auf eine Wiegschale und das Salz auf
eine andere Wiegschale gelegt und dies wird nach einer
Woche wiederholt, wenn die Waage ihr Gleichgewicht bewahrt,
wird dies als ein Heilungsanzeichen gedeutet.
Um zu verhindern, daß das Kind ein Dieb
wird, werden seine Nägel erst nach Vollendung des ersten
Lebensjahres abgeschnitten. Die ersten Haare des Kindes
werden als “Mutterhäarchen” bezeichnet. Wer diese Haare
ersmals abschneidet muß dem Kind ein Geschenk machen, früher
wurden diesbezüglich rote Schüsseln verschenkt.
Wenn ein Kind beim Laufen häufig hinfällt
als “Hemmschuh” bezeichnet.
In einem solchen Fall wird dem Kind ein
Seil um seinen Fuß gebunden und mit einem Messer durchschnitten,
um dieser Gefahr vorzubeugen.
Sprichwörter hinsichtlich der Almen
und des Hirtentums, sowie dem Aberglauben:
·
Wenn ein Hirte etwas wirklich will, dann kann
er Milch aus Stein schöpfen.
·
Man fragte den Fuchs warum er einen so dicken
Hals habe und er sagte, daß er seine Arbeit immer selber
verrichtete.
·
Zwiebelschalen sollten nicht verbrannt werden,
da dies als teuflisch gilt. Wasser- oder Kochtöpfe sollten
nie umgedreht abgestellt werden. Sie sollten auf dem Ofen
stehen und mit einwenig Wasser gefüllt sein und somit offen
liegen.
·
Kesseln, mit deren Wasser zuvor Tote gewaschen
wurden, sollten umgedreht abgestellt werden.
Fazit:
Heutzutage versuchen viele Länder, Städte,
Gemeinden und Dörfer durch Subventionen die Sommerunterkünfte
auf den Almen mit der errichtung von Sozialanlagen rationeller
zu nutzen. In unserem Land wurden jedoch diesbezüglich von
Anfang an eher die Reformierung von Zuchtwahl und Viehzucht
gefährdet, welches jedoch den geplanten Erfolg, trotz der
Aufwendung großer Gelder und Finanzen nicht erreichen konnte.
Würden jedoch stattdessen diese Finanzmittel
für die Entwicklung der Almen und Weiden parallel zur Viehzucht
betrieben werden, könnte im geplanten Rahmen sehr viel größere
Erfolge erzielt werden.
Ein weiterer Punkt liegt darin, daß
in unserem Land diesbezüglich nur vereinzelte Forschungen
existieren.
Die erste Abhandlung zu diesem Thema wurde
erst im Jahre 1939 seitens des (DTCF) Professors Cemal Alagöz
geschrieben. Wie in vielen anderen Bereichen sind auch hier
die Vorreiter schwerpunktsmäßig bestimmte Ausländer.
Bis heute existieren keine genauen Statistiken
und Informationen über detaillierte Almenatlanten, ihrers
Einflusses auf die Ökonomie, ihrer Gesamtfläche und ihrer
eindeutigen anzahlmäßigen Verteilung auf verschiedene Gebiete.
Die Forschungen sind im allgemeinen auf
die Volkskultur ausgerichtet.
Und dies obwohl die Almkultur in ihren
gesamten Besonderheiten aller geographischen Gebiete und
Bereiche mit ihren fast 50 über sie verfassten Liedern und
Gesängen, ihrer Terminologie, ihren Unterkunftsformen, ihrer
Pflanzendecke, ihrer Wildtiere, ihrer Traditionen, Eß-,
Feier- und Glaubensgewohnleiten, ihrer Krankheiten sowie
ihrer Werkzeuge eine eigene Welt, eine eigene Kultur für
sich selbst darstellt.
Die Almen in der Türkei nach ihrer
Nutzungsart
A. Almorte zu Ferienzwecken
und als Ruheplätze
1. Bursa (Kadýyayla,
Sarýalan)
2. Bolu (Abant,
Gölcük)
3. Balýkesir-Edremit
(Kazdaðý)
4. Ýzmir-Ödemiþ
(Gölcük, Bozdaðý)
5. Antalya (Saklý,
Beycik, Turbelinaz)
6. Adana (Bürücek)
7. Hatay (Soðukoluk)
8. Artvin (Yusufeli)
9. Rize (Ayder)
10. Giresun (Kulakkaya, Boðaz obasý)
11. Kütahya (Muratdaðý)
12. Sivas (Sýcak Çermik)
13. Mersin (Abanoz, Gözne)
B. Almorte sowohl
zu Ferienzwecken, als auch zur Viehzucht
1. Bilecik (Domaniç)
2. Bolu (Aladaðý,
Sarýalan, Karacasu)
3. Antalya (Yazýr,
Karçukuru)
4. Ankara (Akyarma)
5. Mersin (Namrun)
6. Adana (Zorkun)
7. Tokat (Çamçi)
8. Izmir (Kozak)
9. Ordu (Perþembe,
Çambaþý)
10. Giresun (Gümbet, Bektaþ)
11. Rize (Kavron, Anzer)
12. Trabzon (Düzköy, Kadýrga)
13. Artvin (Sahara)
C. Almorte zur Viehzucht
1.
Bolu (Kandýra, Tenbel)
2.
Kastamonu (Çaklý)
3.
Afyon (Yaðlýpýnar)
4.
Antalya (Yazýr)
5.
Niðde (Eznevit)
6.
Kayseri (Tekir)
7.
Kayseri (Tekir, Beyyurdu)
8.
Aksaray (Hasandaðý, Melendiz)
9.
Tunceli (Mercan)
10. Bingöl (Þerafettin Daðý)
11. Van (Týrýþýn)
12. Hakkari (Mergan, Gevarlýk, Gelyano, Oramar,
Baygölü)
13. Diyarbakýr (Beritan)
14. Kars (Serdarbulak, Çilli, Bülbülan, Sarýçiçek)
15. Rize (Elevit, Samistal, Y.Kavrom, Palakçur,
Aðveçor, Kaçkar)
16. Kars (Bülbülan)
17. Artvin (Sarýbulut)
18. Erzurum (Bardýr)
Meine schöne Alm ist geworden eine Ruine
Ist geworden die Heirrat von Fremden
Es starb ein Armseliger in Amasya
Nebelnde Alm, grasende Alm, wiesende Alm
Hast verloren deinen Namen und deine Ehre
Die Wälder stehen zu deinen Flüssen
Graue Dünste sinken in deinen Höhen
Gibt es keine Salbe für deine Wunde
Nebelnde Alm, grasende Alm, wiesende Alm
Hast verloren deinen Namen und deine Ehre
Alm, wo ist dienSchnee,
Wo deine Nelken und Tulpen
Wo das kalte Wasser deine Quellen?
Nebelnde Alm, grasende Alm, wiesende Alm
Hast verloren deinen Namen und deine Ehre
Wo sind deine Kühe, deine Schafe
Wo deine Frauen und deine Mädels
Wo deine Liebenden und deine Geigen?
Nebelnde Alm, grasende Alm, wiesende Alm
Hast verloren deinen Namen und deine Ehre
Sivas – Yýldýzeli – Volkslied
Der Vartivor in Kavran
Kavran , im Volksmund auch Kavran genannt,
ist eine Yayla am östlichen Schwarzmeer, an den Hängen der
Koçkar-Berge. Kavran ist von Çamlýhamsen aus ein Bezirk
von Rize mit den Auto den Ayder-Weg her erreichbar und ist
nicht nur eine Yayla-Idylle, sondern auch gleichzeitig Feriengegend
. Die bewohner des östlichen Schwarzmeers, die sich vor
dem schwülen Wetter schützen wollen und ihre Tiere auf großen
Flächen weiden lassen wollen,besteigen die wenig bewaldeten
Berghöhen und Almen von 2000 m Höhe.
Die Almhäuser werden meißtens von einer
älteren Person, die sich in der Vorbereitung des Wintervorrates
(Butter, Käse, Minci ) gut auskennt und einer Jugendlichen
von 15-16 Jahren, der die Tiere behirtet, bewohnt. Im Gegensatz
zu der zerscheuten Ansiedlung zu Dörfern, liegen die Unterkünfte
der Alm relativ dicht beiander.
Bestimmte Almfeste in den gebieten am
östlichen Schwarzmeer haben sich bis Heute erhalten. Diese
Feierlichkeiten, die u.a. mit den Namen wie “Faul-Mitte”,
“Alm-Mitte”, “Bogenschütze” oder “Vartvor” bezeichnet werden,
weisen auf verschiedene Phasen des Almalltags hin.
Sie liegen zeitlich generell mit der Beendung
der Rasenmähung oder der Verrichtung der letzten Arbeiten
im Dorf zusammen.
In Kavran, die eine Alm der Ayder-Gemeinde
von Çamlihemþin in Rize ist, wird der “Vartivor” auch noch
Heute wie in frühen Zeiten mit derselben Prachtigkeit und
Ansehen gefeiert. Die Vartivor-Feier der Almbewohner dauert
generell vom 15-25 Juli eines Jahres.
Bei diesen Feiern tanzen die Jungesellen
und Mädels ihre traditionellen Tänzen und singen unter sich
eigere Vierzeiler // Vartivor hat die Bedeutýng des Rosen
und Krautfestes. Früher wurde Vartivor vom Ende Juli bis
Anfang August gefeiert. In der legendären Urheirat “Ergenekon”
wurde sie auf Bergen gefeiert. Heutzutage wird sie mit einer
ähnlichen Prächtigkeit zu ungefähr derselben Zeit in den
Almen von Hemþin gefeiert.
Die Almbewohner die diese Vartivor-Tradition
bis Heute getragen haben, beschreiben dieses Fest folgendermaßen:
“Um unsere Tiere weiden zu lassen und
unser Wintervorrat zu bereiten besteigen wir die Alm. In
jedem unserer Häuser gibt ed jemanden, der die Tiere kümmert.
Wenn diese ganzen Arbeiten verrichtet sind kommen wir alle
in der Alm zusammen um den Vartivor zu feiern und alle Feierndn
werden nach diesem Fest benannt. Diese amusieren sich in
die Alm und versuchen sich dabei von den errichteten Arbeiten
auszuruhen, spielen und tanzen bis in die früh mit traditionellen
Musikinstrumenten unsere traditionellen Tänze, trinken und
schießen mit Pistolen”
Die Dörfler die zu dem Vartivora-Fest
gehen ziehen sich ihre schönsten Kleider an und machen sie
am frühen Morgen auf dem Weg. Singend und tanzend begeben
bsie sich auf dem Weg zur Alm. Die Almbewohner erwarten
diese Dörfler mit großer Aufregung und Freude. Diese betreten
die Alm im Chor der traditionellen Gesänge mit einer großen
Freude. Diese dauert bis zu 15 Tagen an. Die Almbewohner
dessen Dörfler nicht zum Vartevor erscheinen sind bedrückt,
wohingegen die anderen durch den Einzug der Dörfler sich
beehrt fühlen und sehr freudig sind.
“Früher begaben sich die Dörfler nach
der Beendigung der Arbeiten bereits nach dem Morgengebetauf
dem Weg. Singend und tanzend begaben wir uns am unteren
Hang von Vice (ein Vorort von Hemþin). Dort legten wir eine
Rastpause ein, aßen und begaben uns erneut auf dem Weg.
In Ayder schliefen wir die nachtüber in einem leeren Scheune
und amüsierten uns tanzend und singendbis in den frühen
Morgen. Von dort aus gingen wir unseren Weg weiter und erreichten
am Nachmittag die Alm, die wir unter Pistolenschüssen betraten.
In der Ebene der Alm tanzten wir unsere
traditionellen Tänze, die wir unter Lichten bis in die Morgenfrühe
fortführten. Die Junggesellen und Mädels kamen in ihren
besten Kleidern zur Vartivor. Die großenLieben wurden hier
geboren und erhalten. Die Mädels drückten ihre Liebe zu
den Junggesellen mit ihren eigenen Liedern aus.
Vartivor, das im Volksmund auch als “Alm-Mitte”
bezeichnet wird ist einer der bedeutensten Feierlichkeiten
dieser Gegend. Auf einen religiösen Hintergrund dieser Feier
ist nicht zu schließen. Aber es wird gesagt, daß die Bewohner
von Hemþin die christlichen Traditionen fortsetzten und
am Vartivor- Tage zur Kirche gingen”.
Vartivor liegt zeitlich genau in der Mitte
des Almprozedur. Dies bezeichnet den Zeitraum in der die
Arbeiten der Dorfbewohner weniger werden und die Wärme und
Feuchte der Dörfer zunimmt, nämlich die ersten 15 Tage des
Monates August.
Nach den traditionellen Rechnungen der
Alten im Dorf fängt dieser Zeitraum vom 20- 22 Juli an und
dauert ungefähr 15 Tage.
Die Feierlichkeiten werden in einer großen
Organisation verwirklicht, welche gleichzeitig einen Leiter
und Festkomitee erfordern, die die gesamte Verantwortung
für den Zeitraum dieser Feier aufsichnehmen. Die Finanzmittel
werden durch freiwillige Spenden der Bewohner gesichert.
Neben musikalischen- und tänzerischen
Aktivitäten werden beim Vartivor auch u.a. bestimmte Ausflüge
(z.B. nach Mezovit, Ovidin Düzü) organisiert, getrunken,
sportliche Aktivitäten von Jungendlichen unternommen oder
auch geangelt.
Ein wichtige Bestandteil dieser Feiern
liegt nicht zuletzt in den traditionellen Tänzen, die entweder
gemischt (Mädels und Junggesellen) oder getrennt ausgerichtet
werden. Diese werden vorallem auf großen Ebenen oder
Lauben ausgeführt, wobei hier die zu diesen Tänzen parallel
verrichteten Pistolenschüsse da Hauptmerk der Veranstaltung
darstellen. Auch werden spezielle traditionelle Gerichte
wie “Hoþmeli” oder “Lokum” zubereitet und die Einwohnerzahl
der Alm steigt bis zum Dreifachen des gewöhnlichen Zustandes
an.
Schluß:
Vartivor ist auch heutzutage noch, wie
auch in ihrer Vergangenheit, ein Ausdruck und gleichzeitige
Deckung von soziologischen und psychologischen Bedürfnissen.
Dieser Umstand, nähmlich daß der kulturelle Akt immer noch
ihre Funktionalität bewahrt hat, ist ein Grund warum sich
diese Tradition über Generationen erhalten hat.
Vortivor ist der Treffpunkt der übers
ganze Jahr arbeitenden Bevölkerung zu einer gemeinsamen
Begegnung. Aber nicht nur die Dorfbewohner alleine, sondern
auch Aussiedler in die Großstädte legen auf diesen Fest
einen großen Stellenwert und richten sich zeitlich darauf
ein. Vartivor ist der Platz, wo alle Lasten abgeworfen,
Sehnsüchte gestillt und das Amüsieren sowie das Aufeinandergehen
der Menschen untereinander angesagt ist. Diese Gedanken
und Gefühle werden am treffendsten in den Liedern beim Vartivor
ausgedrückt.
In
diesen Liedern erzählen Liebende über ihre Liebe und Enttäuschungen,
die Nachbarn über ihre Erwartungen, die Verstrittenen über
ihre Sorgen, die Aussiedler über ihre Sehnsucht. Aus diesem
Grund haben diese Feierlichkeiten eine kommunikative Funktion,
und sind hilfreich für die Überwindung unterbewußter Schmerzen
und Problemen und helfen den Menschen somit ihre innere
Mitte wiederherzustellen. Zudem festigt es die Bindung zwischen
den Menschen und führt zur Stabilität des sozialen Zusammenhalts.
Deshalb wird Vartivor aus den oben erwähnten
Gründen, trotz gewisser Formänderungen in ihrem Inhalt stets
gleichbleibend über Generation hin mit gleichanhaltender
Freude und Überschwung gefeiert, die Alm von Kavran wird
somit über lange Jahre hin Zentrum dieser Feierlichkeiten
bleiben.
Ich gehe fort
Vartevor ist mein Halt
Ich bin getrennt von Euch
Das ist meine Neugier
Wer spielt kein Horon, dessen
Horon- Platz ist nicht eben
Zieht kein Seiden- Kleid an
Wird keine Frau zum Mädchen
Kommst du von der Alm
Du grüne Taxi
Sie geben mir nicht meine Geliebte
Ihre Brüder sind so wiederwillig
Oh ihr Almen, eure Blumen
Haben Blütenköpfe
Lieben tue ich eine Schöne
Zu klein ist ihr Alter
Die Dunst der Almen
Kommen und treffen mich stets
Ich trauere um meine Jugend
Die vergangen ist mit Weinen
Fragt die Almen, ob
Entnahm ich ihr eine Blume
Fragst du nach diesem Jahr
Kein Messer öffnet meinen Mund
Zu Fuß ging zur Alm
Weinte eine lange Stunde
Der Trennung Krone
Setzte ich eine Erinnerung an
Wäre ich eine Quelle
Auf den Wegen meiner Alm
Könnten die schönen Mädels
Sich betrinken an mir
Unsere Alm ist wie eine Ebene
Kalt ist ihr Wasser
Bist geworden fünfzig Jahr
Siehst innen noch aus wie eine Junge
Dieses Jahr ist Vartivor
Nicht Vartivor, da du
Nicht kommst.
Was soll ich mit so einer Geliebten
Auf die Ebene von Ayder
Wird kommen ein Hubschrauber
Ich habe Nachricht bekommen von Ihr,
Sie wird nach Vartivor kommen.
Dieses Jahr bist du die Blume
Der Alm, die du bist
Hat mir ins Herz gestochen
Das Messer der Liebe
Auf der Spitze von Kaçkar
Liegt ein Stein still und starr
Am Abend gab es einen Mond
Der neugieriger war als ich
Von der Alm lief ich zu Fuß
Sie war mit Dunst belegt
Ich konnte nicht in deine Augen schauen
Sie waren mit Tränen gefüllt.
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