Keramikfliesen aus Iznik  
 

Die von der Mitte des 14. Jhs. bis zum Ende des 17. Jhs. in Iznik hergestellten Keramikfliesen werden als "Iznik-Keramik" bezeichnet. Die Funde, die bei unter Leitung von Oktay Aslanapa stehenden Ausgrabungen in den Jahren 1963-64 in Iznik zutage gefördert wurden, haben Licht auf viele Fragen dieser dort hergestellten Keramik geworfen.

Die in solchen Städten wie Bursa, Edirne und Istanbul in religiösen Bauten verwendeten Keramikfliesen wurden schon vor Aufnahme der Produktion in Iznik in den obigen Bauten benachbarten Werkstätten hergestellt und gebrannt. Sie wurden im allgemeinen von fremdländischen Meistern produziert, die sich auf der Wanderschaft befanden. Bei der Herstellung dieser Fliesen kamen bereits damals entwickelte Techniken zur Anwendung. Die Keramikfliesen wurden aus weißem, hartem Ton gefertigt und waren mit unglaublich reichhaltigen Mustern verziert. Daneben wurden in jener Zeit für den täglichen Gebrauch der Bevölkerung von Iznik glasierte Geschirre aus rotem, weichem Ton hergestellt.

Diese wurden zuerst gebrannt und danach mit einer Slip-Technik dekoriert, dann ganz in farbige Glasur getaucht und im Anschluß daran noch einmal gebrannt. Die hier vorherrschenden Farben waren blau, grün und braun.

Besondere Musterungen chinesischen Porzellans, die im 14 Jh. im Nahen Osten weit verbreitet waren, wurden auch um das Jahr 1400 herum zur Verzierung der in Iznik hergestellten Keramikfliesen verwendet. Aus rotem Ton gebrannte Fliesen wurden in der zweiten Periode der Iznik-Keramik (2. Hälfte des 14. Jhs. und Beginn des 15. Jhs.) hergestellt.

Die Grundfarbe dieser mit Unterglasurmalerei verzierten Fliesen war weiß, die der Verzierung dienenden Motive dagegen wurden farbig gestaltet. Anschließend wurden sie mit einer durchsichtigen Bleiglasur überzogen. Die hier vorherrschende Farbe war kobaltblau. Desgleichen finden sich aber auch Farbtöne in hellblau, türkis, lila und grün.

Der Beginn der Produktion weiß-blauer Keramikfliesen aus Iznik, die an sehr hartes Porzellan erinnern, geht bis in die Mitte des 15. Jhs. zurück. Die dritte Periode der Iznik-Keramikfliesen schließlich erstreckt sich bis zur Mitte des 16. Jhs. Diese Fliesen weisen einen sehr harten und hellweißen Untergrund auf; sie sind mit farbloser, durchsichtiger Glasur überzogen. Für die Dekoration wurden zuerst dunkelblaue Farben verwendet, die aber mit der Zeit heller wurden und in einen freundlicheren Farbton umschlugen.

Die Entwicklung dieses auf den Keramikfliesen von Iznik zu beobachtenden Stils kann mit der Niederlassung von Meistern, die aus verschiedenen Regionen kamen, in der Stadt Iznik erklärt werden. Anteil an dieser Entwicklung haben natürlich auch die Beziehungen, die diese Meister mit der von Sultan Mehmet dem Eroberer im Topkapi-Palast gegründeten Atelierswerkstatt, in der die Keramikfliesen verziert wurden, gepflegt hatten.

Auf spät zu datierenden Keramikteilen finden sich neben Blau auch blasse Türkis-Farbtöne. Die Fliesen waren im allgemeinen mit arabischen Schriftzeichen in verschiedenem Duktus, teilweise verziert mit Blumen, und mit Wolkenelementen geschmückt. Ein weiteres auffälliges Motiv sind Tierfiguren.

Einer weiteren, in die gleiche Periode zu datierenden Art von Keramikfliesen wurde der Name "Bosporus-Arbeiten" beigelegt. Die hervorstechendste Besonderheit bei dieser Gruppe Fliesen sind die gewundenen Zweige, die sich selbst aus kleinen Blättern und Blumen zusammensetzen. Es ist nicht genau bekannt, an welchem Ort diese Fliesen hergestellt wurden. Keramikfliesen dieser Art fanden sich auch bei den Ausgrabungen in Iznik.

Die Produkte der vierten Periode der Keramikfliesen aus Iznik, die auf die Mitte des 16. Jhs. zu datieren sind, werden als "Damaskus-Arbeiten" bezeichnet. Diese Produkte entstammen aber nur einer Übergangsperiode.

Da bei Bauten aus der 2. Hälfte des 16. Jhs. einfache Fliesenpanele in großem Umfange zur Verwendung kamen, wurde sowohl in Iznik als auch in Kütahya in den dortigen Produktionsstätten nunmehr der Schwerpunkt auf die Produktion von Fliesenpanelen gelegt. Hingegen wurde die Produktion von Schüsseln, Tellern, Kannen, Vasen u.ä. Gerätschaften vernachlässigt. Die Farben diese Fliesenpanele waren aufgrund ihrer Funktion, die sie als architektonische Elemente zu erfüllen hatten, lebendiger und kräftiger gehalten. Das führte zur Entwicklung eines neuen Stils bei der Keramikfliesen-Herstellung, welches wiederum einer neuen Periode den Weg wies. Die in dieser neuen Periode vorherrschenden Farben waren kobaltblau, türkis und tomatenrot. Schwarze Farbe dagegen wurde um die Figuren oder Motive herum aufgetragen, um zu verhindern, daß die eigentliche Farbe bei Brennvorgängen zerlaufen könnte. Für die Dekoration Verwendung findende Motive sind hier vor allem Rose, Tulpe, Nelke, Lilie, Marguerite, Hyazinthe, Primel, Weinrebe und Zypresse. Daneben finden sich lanzettförmige Blätter, chinesische Wolkenbänder und die Abbildung von Medaillons.

Durch die Entwicklung der Keramikfliesen-Kunst in Kütahya zu Ende des 17. Jhs. kam die Produktion in Iznik zum Stillstand und verschwand allmählich.

Arten und Formen der Keramikfliesen aus Iznik Dekoriertes und schlichtes Keramik-Geschirr :

Ein großer Teil des bis auf unsere Tage erhaltenen Keramik-Geschirrs aus Iznik ist mit Unterglausur-Malereitechnik verziert.

Schriftliche Quellen informieren uns, daß dieses verzierte Geschirr auch unter dem Namen "münakkas (bestickt)" bekannt war oder einfach als "bunt(es Geschirr)" bezeichnet wurde.

Weiterhin sagen die Quellen aus, daß Schüsseln, Teller, Tabletts, Platten und Näpfe in grün, weiß, blau, und gelb verziert und entsprechend ihrer Farbe benannt wurden.

Vergoldetes Keramik-Geschirr :

In den Quellen wird von bestimmten Geschirrarten als "vergoldet" gesprochen. Dokumente aus der Zeit um 1600 sprechen von vergoldeten Schüsseln, die zum Servieren des Desserts dienen. Daneben finden sich solche ohne Goldauflage; auch Mokkatassen werden als vergoldet oder schlicht unterschieden. Auf einigen aus dieser Periode auf uns gekommenen Tellern sehen wir Abbildungen von Pflanzenmotiven, die aber mit den Motiven der darüber angebrachten Unterglasur-Malerei nicht recht harmonieren. Im allgemeinen kann aber an bis heute erhaltenen Beispielen vom Beginn des 16. Jhs. eine sorgfältigere Verarbeitung gesehen werden.

Mit Edelsteinen verziertes Keramikgeschirr :

Schriftliche Quellen erwähnen in keiner Weise die Existenz von Keramikgeschirr aus Iznik, das mit Goldplättchen oder Edelsteinen geschmückt ist. Die Osmanen haben diese Dekorationstechnik wohl vor allem für chinesisches Porzellan, Jade und Bergkristall benutzt, um diesen ein prächtigeres Aussehen zu verleihen.

Mit Deckeln versehenes und mit Metallstücken versetztes Keramikgeschirr :

Bei der Betrachtung von Miniaturen fällt auf, daß fast alle Geschirrteile mit Deckeln versehen sind.

Gefäßkörper und Deckel wurden nicht immer aus dem gleichen Material hergestellt. Neben Geschirr aus Metall, das mit Keramikdeckeln versehen war, findet sich auch die umgekehrte Variante, nämlich Keramikgeschirr mit Metalldeckeln. In gleicher Weise wurden auch Schüsseln, Näpfe und Kannen mit Deckeln versehen.

Aus den Werkstätten von Iznik stammende Keramikdeckel für Schüsseln und Raki-Kannen sind nicht in großer Zahl auf uns gekommen. Auch finden sich in den schriftlichen Dokumenten keine Hinweise auf das Material, aus dem dieses Geschirr gefertigt war. Sie werden nur als "Kanne mit Deckel" oder "Schüssel mit Deckel" bezeichnet. Geschirr, das seines Deckels verlustig gegangen war, wurde "ohne Deckel" genannt.

In Größe und Qualität unterschiedliches Keramikgeschirr :

Schriftliche Dokumente geben uns meistens nur über die Größe der Geschirrteile Auskunft : große und mittelgroße Teile wurden als solche bezeichnet, und für kleine Geschirrteile verwendete man auch den Ausdruck "Scherbe" oder "Abfall".

Einige Geschirrarten wurden unter dem Namen "Pasa" oder "Sultan" zusammengefaßt. So finden "Pasa-Schüsseln", "Pasa-Mokkatassen" und "Sultansschüsseln" Verwendung.

Zu religiösen Zwecken gebrauchtes Keramikgeschirr :

Die wichtigsten, auf uns gekommenen Beispiele für Keramikgeschirr dieser Art stellen Moscheelampen und Kronleuchter dar; diese selbst sind jedoch in den Quellen nicht mit irgendeinem Namen belegt. Ein weiteres unverzichtbares Produkt, das von den in Iznik residierenden Meistern hergestellt wurde, ist eine mit Ständer versehene Waschschüssel. Es ist nicht ganz klar, ob diese Art Waschschüsseln wirklich zu diesem Zweck gebraucht wurden, aber es wird vermutet, daß hochstehende Persönlichkeiten sie für ihre Gebetswaschungen benutzten.

Eß- und Serviergeschirr :

Teller wurden in den Werkstätten von Iznik in unzähliger Menge hergestellt. Über Form und Ausmaß dieser Teller geben uns sowohl die Miniaturen als auch schriftliche Quellen genügende Auskunft.

Ein weiteres Produkt der Werkstätten in Iznik waren Tabletts, die sowohl flach als auch mit Rand versehen in den verschiedensten Ausführungen existierten. Wie aus den Miniaturen ersichtlich ist, waren die meisten dieser Keramiktabletts mit Metalldeckeln versehen. Sie werden in den Quellen auch so bezeichnet, nämlich als "Tablett mit Bedeckung". Das Wort "sahan" (Tablett) findet zum ersten Mal in Quellen des 16. Jhs. Erwähnung. Gebraucht wurde es bis zum Beginn des 18. Jhs.

Weiteres Keramikgeschirr, das in den Werkstätten von Iznik hergestellt wurde, umfaßt kleine Tabletts, Näpfe und Vorlegeplatten.

Zur Aufnahme von Flüssigkeiten bestimmtes Geschirr :

Hierbei handelt es sich vorwiegend um Gläser, Kannen, Trinkgefäße, Tassen, Wasser- und Scherbetkannen.

Weiteres, bis heute erhaltenes Keramikgeschirr :

Diese Gruppe umfaßt in erster Linie Behälter zur Aufbewahrung von Eßwaren,  Glaskolben, Becher und Näpfe kleineren Ausmaßes, Schreibbehälter, Tintenfässer und Kerzenleuchter.

Wiederbelebung der Keramikproduktion in Iznik nach 300 Jahren :

Iznik ist ein Siedlungsgebiet im Nordwesten der Türkei, das in der Nähe von Bursa am gleichnamigen See gelegen ist. Dieses Siedlungsgebiet deckt sich in etwa mit der Region Bythinien, einer Wohnstätte früherer anatolischer Kulturen. Der Legende zufolge hat der Gott Dionysos, als er aus Indien zurückkehrte, sich hier niedergelassen und dieses Wohngebiet begründet. Einer anderen Legende zufolge wurde es von den Soldaten Alexanders d. Großen (356-323 v. Chr.) als Kolonie erobert.

Im Jahre 316 v. Chr. hat Antigonas Monophthalmus die Stadt bereist; er berichtet uns, daß der Name der Stadt Elikore gewesen sei und in ihr das Volk der Bottiäer gelebt habe. Nach dem Besuch von Antigonas erhielt die Stadt den Namen Antigoneia. Nach der Schlacht von Ipsos, die im Jahre 301 v. Chr. stattfand, eroberte einer der Generäle Alexanders d. Großen mit Namen Lysimachos (360-281 v. Chr.) die Stadt und verlieh ihr den Namen seiner Frau, Nikai, die auch gleichzeitig die Tochter des mazedonischen Königs Antipatros war.

Über die Jahrhunderte hinweg erfuhr der Name Nikai viele phonetische Veränderungen. Nach der Form Nicea bildeten die Türken diesen Namen zu Iznik um.

Von 316 v. Chr. bis heute hat Iznik in seiner langen Geschichte viele kulturelle und bauliche Veränderungen erfahren müssen. Iznik hat sich im wirklichen Sinne des Wortes zu einer Kunstwerkstatt entwickelt, an deren Herausbildung hinsichtlich der Gebiete Archäologie und Geschichte Römer, Byzantiner, Seldschuken und osmanische Türken großen Anteil hatten.

Bei Ausgrabungen, die in der Nähe von Iznik in früheren Ziegel- und Kalkbrennereien gemacht wurden, haben Prof.Aslanapa und Prof. Altun bei den von ihnen gefundenen Keramiken osmanischer Herkunft einen Einfluß der Seldschuken nachgewiesen. Jüngste Forschungsberichte haben gezeigt, daß das bei den ausgegrabenen harten weißen Keramiken verwendete Material das gleiche war, aus dem das zur Herrschaftszeit der Osmanen bei Hofe gebrauchte dünne Porzellan hergestellt wurde. Blau und weiß waren die ersten Farben, die für die Produktion von Teekannen und Wandfliesen Verwendung fanden. Im 16. Jh. kam als Farbe Türkis hinzu. Rote Farbtöne wurden für die Wandfliesen der Gebetsnische in der Süleymaniye-Moschee in einer den Stil der osmanischen Periode widerspiegelnden Weise benutzt. Keramikfliesen und –geschirr aus Iznik wurden in der osmanischen Periode auch zur Insel Rhodos exportiert, die in jener Zeit türkisches Herrschaftsgebiet war.

Der berühmte Reisende Evliya Celebi berichtet uns, daß im 17. JH. allein in Iznik 300 Keramikwerkstätten angesiedelt seien. Diese Zahl wurde durch die gemachten Ausgrabungen bestätigt; gleichzeitig vermittelten die Ausgrabungen auch Informationen über die Bedeutung der Keramikproduktion für diese Stadt. Um die Keramikfliesen aus Iznik ranken sich viele Legenden und Erzählungen. Die bekannteste und am meisten wiedergegebene dieser Geschichten ist die über den Gebrauch der Keramikfliesen in vielen Moscheen und Grabmälern Istanbuls, der durch die Osmanenherrschaft beeinflußt worden sei. Trotz der Tatsache, daß zu Beginn des 20. Jhs. sich die Bevölkerung von Iznik zu einem großen Teil aus Griechen und Armeniern zusammensetzte, die vor allem Vieh- und Seidenraupenzucht betrieben, wurde die Stadt doch allmählich mehr und mehr türkisiert.

Während der Zeit des türkischen Befreiungskrieges erlebte Iznik eine bewegte Periode. Die Stadt wurde von Griechen besetzt und brannte aus, so daß die Bevölkerung gezwungen war, aus der Stadt zu fliehen.

Nach der Verkündigung der Unabhängigkeit der Republik Türkei wurden Stadt und Umgebung zu einem Siedlungszentrum für die aus Griechenland und Thrakien in die Türkei gekommenen Flüchtlinge.

Was den weltweiten Bekanntsheitsgrad der Keramikfliesen von Iznik angeht, so ist die Ursache dafür in den nachfolgend aufgeführten Umständen zu suchen :

  • Die bei der Herstellung von Keramikfliesen aus Iznik verwendete Grundfarbe ist ein helles Weiß. Die Fliesen wurden durch eine besondere Brenntechnik gefertigt.
  • 70-80 % aller aus Iznik stammenden Keramikfliesen sind aus Quarz und Quarzit. Die Härte der Fliese erklärt sich aus der gleichzeitigen Verwendung von drei Quarzen und der darauf aufgetragenen besonderen Glasur. Diese Mischung wird bei 900 °C gebrannt.
  • Als Ergebnis langwieriger Forschungsarbeiten hat sich gezeigt, daß die an der Fliese durch Wärme verursachten Probleme unter Verwendung von Quarz und Bergkristall gelöst werden konnten. Die als Ergebnis diese Prozesses entstehende Fliese besteht aus Quarz, das durch die gleichzeitige Verwendung von mehreren Arten Gesteins entstanden ist.
  • Im Gegensatz zu allgemeinen Regeln der Keramikbearbeitung wird sie auf eine besondere Weise hergestellt. Die Art und Weise der Herstellung ist eine Diletation in heißer und kalter sowie einer unter dem Gefrierpunkt liegenden Umgebung.
  • Da die Keramikfliesen aus Iznik als Ergebnis einer Verbindung mehrerer Produktionsstufen entstanden sind, zeigen sie auch in der Farbgebung eine harmonische Vielfalt. Vorherrschende Farbtöne sind dunkel- und hellblau, türkisgrün, korallenrot und jadegrün.
  • Die Herstellung gewisser Farbtöne, die sich auf den Keramikfliesen wiederfinden, darunter z.B. korallenrot, ist sehr schwierig. Neben den gewonnenen Farbtönen werden auch hellweiß und undurchsichtige Farbtöne benutzt. Die Verwendung opaquer oder ockerfarbener Töne erlaubt durch die unterschiedliche Brechung des Lichts und der Absorbierung eines Teils der Lichtstrahlen eine deutlichere Wiedergabe von Farbansichten und –tönen. Die Verwendung dieses Farbtons dient auch gleichzeitig dem Schutz der Keramikfliese.
  • Auf den Keramikfliesen zu erkennende Schriftzüge sind der islamischen Tradition entnommen.
  • Um den Geheimnissen dieser in Iznik gefertigten Keramikfliesen auf die Spur zu kommen, haben für verschiedene Stiftungen arbeitende Forscher versucht, das Muster dieser klassischen Keramikfliesen nachzubilden. Wie sich aus einer näheren Untersuchung der Fliesen ergab, werden traditionelle Herstellungsmethoden auch heute noch verwendet. Um die Charakteristika der Keramikfliesen aus Iznik nicht zu zerstören, bemüht sich die Iznik-Stiftung um eine Fortführung der im 16. Jh. gebräuchlichen technischen Details und ringt sich mit allen Kräften darum, das Wesen dieser Keramikfliesen wieder zu neuem Leben zu erwecken.
  • Die bei der Herstellung obiger Fliesen Verwendung findenden Technologieprozesse entstanden infolge einer natürlichen Synthese; diesen Hestellungsvorgang zu bewahren, ist ein unbedingtes Erfordernis.

Im Jahre 1989 erfuhren die Keramikfliesen von Iznik einen neuerlichen Aufschwung ihrer Bedeutung, und zwar durch die Abhaltung von diesbezüglichen Symposien und internationalen Ausstellungen in der Stadt selbst sowie durch die Veröffentlichung von Büchern, die eine Neubehandlung diese Themas ermöglichten.

Heutige Keramikflliesen aus Iznik :

Auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung im 16. Jh. begann man, Keramikfliesen aus Iznik wegen der bei der Herstellung verwendeten Technik und aufgrund ihres prächtigen Aussehens in den Museen dieser Welt auszustellen.

In seit etwa 20 Jahren währenden Ausgrabungen, die von der Abteilung für Archäologie der Universität Istanbul in den früheren Ziegel- und kalkbrennereien von Iznik durchgeführt wurden, hat man wichtige Hinweise für künstlerische Ausprägungen und die dabei verwendeten Technologien während des Herstellungsprozesses dieser Keramikfliesen erhalten. Die im Jahre 1996 eingerichteten Keramikwerkstätten, die 1993 gegründete Iznik-Stiftung und das im Jahre 1995 eingerichtete Forschungszentrum für Fliesen und Keramik haben sich nach Kräften bemüht, Art und Struktur der aus dem 16.Jh. stammenden Fliesen nachzubilden.

Auch bei aus alten Gräbern erzielten Funden ist so manches Beispiel für Keramikfliesen-Kunst ans Tageslicht getreten.

Auf diese Weise wuchs die Bedeutung obiger Keramikfliesen und der zu ihrer Herstellung verwendeten Materialien von Tag zu Tag.

Ausgrabungen haben ergeben, daß das für die Herstellung der Fliesen verwendete Material das gleiche Quarz ist, wie es bei der Herstellung von Porzellan gebraucht wird. Diese und andere Ergebnisse haben dazu geführt, daß sich Forschungszentren und Wissenschaftler vermehrt der wissenschaftlichen Untersuchung von Keramikfliesen aus Iznik zuwandten.

Die Iznik-Stiftung unterstützt andere wissenschaftliche Stiftungen und solche Organisationen wie TÜBITAK (Forschungszentrum der Marmara-Universität), die Istanbuler Technische Universität und die Universität Istanbul in ihren Bemühungen, durch Forschungen die Kunst der Keramikfliesen-Herstellung noch genauer zu erhellen und einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Des weiteren unterstützt die vorgenannte Stiftung auch das Massachusetts-Forschungsinstitut in Amerika und die in die Strukturen der Universität Princeton eingebundenen Forschungszentren.

Iznik-Keramikfliesen werden heute bei der Dekoration alter und neuer Gebäude vielfach verwendet.

Die Iznik-Stiftung wurde mit dem Ziel gegründet, die Kunst der Keramikfliesen- Herstellung weltweit bekannt zu machen, kommenden Generationen dieses Kulturerbe nahezubringen und Aktivitäten auf verschiedenen Gebieten einschließlich Ausbildungsprogramme durchzuführen. Die Iznik-Stiftung setzt sich aus drei Abteilungen zusammen : ein Berufsschulzentrum, ein Forschungszentrum für Fliesen und Keramik sowie Keramikwerkstätten. Im Istanbuler Stadtteil Kurucesme befindet sich weiterhin ein Verbindungsbüro.

Das eigentliche Ziel der Stiftung ist es nicht, die im 16. Jh. hergestellten Fliesen einzeln wieder zu produzieren, sondern bei der Produktion den Originalvorlagen so nahe wie möglich zu kommen.

Bei der Herstellung von Iznik-Keramikfliesen werden auch heute noch die im 16. Jh. zur Anwendung gelangten Produktionsmethoden benutzt, wobei vor allem darauf geachtet wird, daß diese Fliesen nicht den guten Ruf, den sie sich bis heute weltweit erworben haben, verlieren. Die Iznik-Stiftung untestützt ferner Vorhaben wie Grabungen in und um Iznik, Forschungen auf archäologischem Gebiet sowie Schutz und Pflege der historischen Vergangenheit von Iznik. Auch bemüht sie sich um den Schutz und die Erhaltung von Fliesen, die in türkischen und ausländischen Museen ausgestellt sind.

Zehn Jahre nach der ersten Austellung von Keramikfliesen aus Iznik wurde für das Jahr 1999 die zweite dieser Ausstellungen geplant. Diese Ausstellung soll im Rahmen der Veranstaltungen stattfinden, die die Gründungsfeierlichkeiten aus Anlaß des 700-jährigen Bestehens des Osmanischen Reiches zum Inhalt haben.

Bis heute haben insgesamt 70  Personen eine Ausbildung betreffend die Herstellungstechniken von Keramikfliesen aus Iznik erhalten. Die Kurse wurden ohne Erhebung von Kursgebühren veranstaltet. In der Türkei und in vielen ausländischen Staaten wurden diesbezügliche Sommerkurse eingerichtet. Die Stiftung plant des weiteren den Bau einer Universität in Iznik, die sich mit solchen Themenbereichen wie Archäologie, Kunstgeschichte und Keramikfliesen-Herstellung befassen soll.

Osman Gazi (1326-1362) war der erste, von dem bekannt ist, daß er innerhalb des Osmanischen Reiches die Einrichtung einer Hochschule (technischen Berufsschule) gefördert hat. Er ließ des weiteren in Iznik, Bursa, Akacaova, in Sapanca und in Izmit Hochschulen erbauen, die für die Ausbildung von Lehrern (im besonderen Religionslehrer) verantwortlich waren. Diese stellten die Vorläufer der später im Osmanischen Reich gegründeten neuen Ausbildungszentren dar.

Im Jahre 1331 wurden in Iznik die erste Hochschule sowie eine dazu gehörige Moschee erbaut. Der erste Titel, der ihn als Lehrer auswies, wurde im Jahre 1333 an Davud aus Kayseri verliehen. Obige Hochschule wurde imitiert durch die vor 1357 erbaute und noch heute besondere Charakteristika aufweisende Süleyman-Pasa-Hochschule sowie von der in Bursa nördlich der Grünen Moschee gelegenen Hayrettin-Pasa-Hochschule. Einer der wichtigsten Gründe, die die Iznik-Stiftung zur Errichtung einer Universität veranlaßt haben, ist daher in der Pflege und Bewahrung dieser historischen Örtlichkeiten zu suchen.

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