Die
von der Mitte des 14. Jhs. bis zum Ende des 17. Jhs. in
Iznik hergestellten Keramikfliesen werden als "Iznik-Keramik"
bezeichnet. Die Funde, die bei unter Leitung von Oktay Aslanapa
stehenden Ausgrabungen in den Jahren 1963-64 in Iznik zutage
gefördert wurden, haben Licht auf viele Fragen dieser dort
hergestellten Keramik geworfen.
Die in solchen Städten wie Bursa, Edirne und Istanbul in religiösen
Bauten verwendeten Keramikfliesen wurden schon vor Aufnahme
der Produktion in Iznik in den obigen Bauten benachbarten
Werkstätten hergestellt und gebrannt. Sie wurden im allgemeinen
von fremdländischen Meistern produziert, die sich auf der
Wanderschaft befanden. Bei der Herstellung dieser Fliesen
kamen bereits damals entwickelte Techniken zur Anwendung.
Die Keramikfliesen wurden aus weißem, hartem Ton gefertigt
und waren mit unglaublich reichhaltigen Mustern verziert.
Daneben wurden in jener Zeit für den täglichen Gebrauch
der Bevölkerung von Iznik glasierte Geschirre aus rotem,
weichem Ton hergestellt.
Diese wurden zuerst gebrannt und danach mit einer Slip-Technik dekoriert,
dann ganz in farbige Glasur getaucht und im Anschluß daran
noch einmal gebrannt. Die hier vorherrschenden Farben waren
blau, grün und braun.
Besondere Musterungen chinesischen Porzellans, die im 14 Jh. im Nahen
Osten weit verbreitet waren, wurden auch um das Jahr 1400
herum zur Verzierung der in Iznik hergestellten Keramikfliesen
verwendet. Aus rotem Ton gebrannte Fliesen wurden in der
zweiten Periode der Iznik-Keramik (2. Hälfte des 14. Jhs.
und Beginn des 15. Jhs.) hergestellt.
Die
Grundfarbe dieser mit Unterglasurmalerei verzierten Fliesen
war weiß, die der Verzierung dienenden Motive dagegen wurden
farbig gestaltet. Anschließend wurden sie mit einer durchsichtigen
Bleiglasur überzogen. Die hier vorherrschende Farbe war
kobaltblau. Desgleichen finden sich aber auch Farbtöne in
hellblau, türkis, lila und grün.
Der Beginn der Produktion weiß-blauer Keramikfliesen aus Iznik, die
an sehr hartes Porzellan erinnern, geht bis in die Mitte
des 15. Jhs. zurück. Die dritte Periode der Iznik-Keramikfliesen
schließlich erstreckt sich bis zur Mitte des 16. Jhs. Diese
Fliesen weisen einen sehr harten und hellweißen Untergrund
auf; sie sind mit farbloser, durchsichtiger Glasur überzogen.
Für die Dekoration wurden zuerst dunkelblaue Farben verwendet,
die aber mit der Zeit heller wurden und in einen freundlicheren
Farbton umschlugen.
Die Entwicklung dieses auf den Keramikfliesen von Iznik zu beobachtenden
Stils kann mit der Niederlassung von Meistern, die aus verschiedenen
Regionen kamen, in der Stadt Iznik erklärt werden. Anteil
an dieser Entwicklung haben natürlich auch die Beziehungen,
die diese Meister mit der von Sultan Mehmet dem Eroberer
im Topkapi-Palast gegründeten Atelierswerkstatt, in der
die Keramikfliesen verziert wurden, gepflegt hatten.
Auf spät zu datierenden Keramikteilen finden sich neben Blau auch blasse
Türkis-Farbtöne. Die Fliesen waren im allgemeinen mit arabischen
Schriftzeichen in verschiedenem Duktus, teilweise verziert
mit Blumen, und mit Wolkenelementen geschmückt. Ein weiteres
auffälliges Motiv sind Tierfiguren.
Einer weiteren, in die gleiche Periode zu datierenden Art von Keramikfliesen
wurde der Name "Bosporus-Arbeiten" beigelegt.
Die hervorstechendste Besonderheit bei dieser Gruppe Fliesen
sind die gewundenen Zweige, die sich selbst aus kleinen
Blättern und Blumen zusammensetzen. Es ist nicht genau bekannt,
an welchem Ort diese Fliesen hergestellt wurden. Keramikfliesen
dieser Art fanden sich auch bei den Ausgrabungen in Iznik.
Die
Produkte der vierten Periode der Keramikfliesen aus Iznik,
die auf die Mitte des 16. Jhs. zu datieren sind, werden
als "Damaskus-Arbeiten" bezeichnet. Diese Produkte
entstammen aber nur einer Übergangsperiode.
Da bei Bauten aus der 2. Hälfte des 16. Jhs. einfache Fliesenpanele
in großem Umfange zur Verwendung kamen, wurde sowohl in
Iznik als auch in Kütahya in den dortigen Produktionsstätten
nunmehr der Schwerpunkt auf die Produktion von Fliesenpanelen
gelegt. Hingegen wurde die Produktion von Schüsseln, Tellern,
Kannen, Vasen u.ä. Gerätschaften vernachlässigt. Die Farben
diese Fliesenpanele waren aufgrund ihrer Funktion, die sie
als architektonische Elemente zu erfüllen hatten, lebendiger
und kräftiger gehalten. Das führte zur Entwicklung eines
neuen Stils bei der Keramikfliesen-Herstellung, welches
wiederum einer neuen Periode den Weg wies. Die in dieser
neuen Periode vorherrschenden Farben waren kobaltblau, türkis
und tomatenrot. Schwarze Farbe dagegen wurde um die Figuren
oder Motive herum aufgetragen, um zu verhindern, daß die
eigentliche Farbe bei Brennvorgängen zerlaufen könnte. Für
die Dekoration Verwendung findende Motive sind hier vor
allem Rose, Tulpe, Nelke, Lilie, Marguerite, Hyazinthe,
Primel, Weinrebe und Zypresse. Daneben finden sich lanzettförmige
Blätter, chinesische Wolkenbänder und die Abbildung von
Medaillons.
Durch die Entwicklung der Keramikfliesen-Kunst in Kütahya zu Ende des
17. Jhs. kam die Produktion in Iznik zum Stillstand und
verschwand allmählich.
Arten und Formen der Keramikfliesen
aus Iznik Dekoriertes und
schlichtes Keramik-Geschirr :
Ein großer Teil des bis auf unsere Tage erhaltenen Keramik-Geschirrs
aus Iznik ist mit Unterglausur-Malereitechnik verziert.
Schriftliche Quellen informieren uns, daß dieses verzierte Geschirr
auch unter dem Namen "münakkas (bestickt)" bekannt
war oder einfach als "bunt(es Geschirr)" bezeichnet
wurde.
Weiterhin sagen die Quellen aus, daß Schüsseln, Teller, Tabletts, Platten
und Näpfe in grün, weiß, blau, und gelb verziert und entsprechend
ihrer Farbe benannt wurden.
Vergoldetes Keramik-Geschirr :
In
den Quellen wird von bestimmten Geschirrarten als "vergoldet"
gesprochen. Dokumente aus der Zeit um 1600 sprechen von
vergoldeten Schüsseln, die zum Servieren des Desserts dienen.
Daneben finden sich solche ohne Goldauflage; auch Mokkatassen
werden als vergoldet oder schlicht unterschieden. Auf einigen
aus dieser Periode auf uns gekommenen Tellern sehen wir
Abbildungen von Pflanzenmotiven, die aber mit den Motiven
der darüber angebrachten Unterglasur-Malerei nicht recht
harmonieren. Im allgemeinen kann aber an bis heute erhaltenen
Beispielen vom Beginn des 16. Jhs. eine sorgfältigere Verarbeitung
gesehen werden.
Mit Edelsteinen verziertes Keramikgeschirr
:
Schriftliche Quellen erwähnen in keiner Weise die Existenz von Keramikgeschirr
aus Iznik, das mit Goldplättchen oder Edelsteinen geschmückt
ist. Die Osmanen haben diese Dekorationstechnik wohl vor
allem für chinesisches Porzellan, Jade und Bergkristall
benutzt, um diesen ein prächtigeres Aussehen zu verleihen.
Mit Deckeln versehenes und mit Metallstücken
versetztes Keramikgeschirr :
Bei der Betrachtung von Miniaturen fällt auf, daß fast alle Geschirrteile
mit Deckeln versehen sind.
Gefäßkörper und Deckel wurden nicht immer aus dem gleichen Material
hergestellt. Neben Geschirr aus Metall, das mit Keramikdeckeln
versehen war, findet sich auch die umgekehrte Variante,
nämlich Keramikgeschirr mit Metalldeckeln. In gleicher Weise
wurden auch Schüsseln, Näpfe und Kannen mit Deckeln versehen.
Aus den Werkstätten von Iznik stammende Keramikdeckel für Schüsseln
und Raki-Kannen sind nicht in großer Zahl auf uns gekommen.
Auch finden sich in den schriftlichen Dokumenten keine Hinweise
auf das Material, aus dem dieses Geschirr gefertigt war.
Sie werden nur als "Kanne mit Deckel" oder "Schüssel
mit Deckel" bezeichnet. Geschirr, das seines Deckels
verlustig gegangen war, wurde "ohne Deckel" genannt.
In Größe und Qualität unterschiedliches
Keramikgeschirr :
Schriftliche
Dokumente geben uns meistens nur über die Größe der Geschirrteile
Auskunft : große und mittelgroße Teile wurden als solche
bezeichnet, und für kleine Geschirrteile verwendete man
auch den Ausdruck "Scherbe" oder "Abfall".
Einige Geschirrarten wurden unter dem Namen "Pasa" oder "Sultan"
zusammengefaßt. So finden "Pasa-Schüsseln", "Pasa-Mokkatassen"
und "Sultansschüsseln" Verwendung.
Zu religiösen Zwecken gebrauchtes Keramikgeschirr
:
Die wichtigsten, auf uns gekommenen Beispiele für Keramikgeschirr dieser
Art stellen Moscheelampen und Kronleuchter dar; diese selbst
sind jedoch in den Quellen nicht mit irgendeinem Namen belegt.
Ein weiteres unverzichtbares Produkt, das von den in Iznik
residierenden Meistern hergestellt wurde, ist eine mit Ständer
versehene Waschschüssel. Es ist nicht ganz klar, ob diese
Art Waschschüsseln wirklich zu diesem Zweck gebraucht wurden,
aber es wird vermutet, daß hochstehende Persönlichkeiten
sie für ihre Gebetswaschungen benutzten.
Eß- und Serviergeschirr :
Teller
wurden in den Werkstätten von Iznik in unzähliger Menge
hergestellt. Über Form und Ausmaß dieser Teller geben uns
sowohl die Miniaturen als auch schriftliche Quellen genügende
Auskunft.
Ein weiteres Produkt der Werkstätten in Iznik waren Tabletts, die sowohl
flach als auch mit Rand versehen in den verschiedensten
Ausführungen existierten. Wie aus den Miniaturen ersichtlich
ist, waren die meisten dieser Keramiktabletts mit Metalldeckeln
versehen. Sie werden in den Quellen auch so bezeichnet,
nämlich als "Tablett mit Bedeckung". Das Wort
"sahan" (Tablett) findet zum ersten Mal in Quellen
des 16. Jhs. Erwähnung. Gebraucht wurde es bis zum Beginn
des 18. Jhs.
Weiteres Keramikgeschirr, das in den Werkstätten von Iznik hergestellt
wurde, umfaßt kleine Tabletts, Näpfe und Vorlegeplatten.
Zur Aufnahme von Flüssigkeiten bestimmtes
Geschirr :
Hierbei handelt es sich vorwiegend um Gläser, Kannen, Trinkgefäße,
Tassen, Wasser- und Scherbetkannen.
Weiteres, bis heute erhaltenes Keramikgeschirr
:
Diese
Gruppe umfaßt in erster Linie Behälter zur Aufbewahrung
von Eßwaren, Glaskolben, Becher und Näpfe kleineren Ausmaßes,
Schreibbehälter, Tintenfässer und Kerzenleuchter.
Wiederbelebung der Keramikproduktion
in Iznik nach 300 Jahren :
Iznik ist ein Siedlungsgebiet im Nordwesten der Türkei, das in der
Nähe von Bursa am gleichnamigen See gelegen ist. Dieses
Siedlungsgebiet deckt sich in etwa mit der Region Bythinien,
einer Wohnstätte früherer anatolischer Kulturen. Der Legende
zufolge hat der Gott Dionysos, als er aus Indien zurückkehrte,
sich hier niedergelassen und dieses Wohngebiet begründet.
Einer anderen Legende zufolge wurde es von den Soldaten
Alexanders d. Großen (356-323 v. Chr.) als Kolonie erobert.
Im Jahre 316 v. Chr. hat Antigonas Monophthalmus die Stadt bereist;
er berichtet uns, daß der Name der Stadt Elikore gewesen
sei und in ihr das Volk der Bottiäer gelebt habe. Nach dem
Besuch von Antigonas erhielt die Stadt den Namen Antigoneia.
Nach der Schlacht von Ipsos, die im Jahre 301 v. Chr. stattfand,
eroberte einer der Generäle Alexanders d. Großen mit Namen
Lysimachos (360-281 v. Chr.) die Stadt und verlieh ihr den
Namen seiner Frau, Nikai, die auch gleichzeitig die Tochter
des mazedonischen Königs Antipatros war.
Über die Jahrhunderte hinweg erfuhr der Name Nikai viele phonetische
Veränderungen. Nach der Form Nicea bildeten die Türken diesen
Namen zu Iznik um.
Von 316 v. Chr. bis heute hat Iznik in seiner langen Geschichte viele
kulturelle und bauliche Veränderungen erfahren müssen. Iznik
hat sich im wirklichen Sinne des Wortes zu einer Kunstwerkstatt
entwickelt, an deren Herausbildung hinsichtlich der Gebiete
Archäologie und Geschichte Römer, Byzantiner, Seldschuken
und osmanische Türken großen Anteil hatten.
Bei Ausgrabungen, die in der Nähe von Iznik in früheren Ziegel- und
Kalkbrennereien gemacht wurden, haben Prof.Aslanapa und
Prof. Altun bei den von ihnen gefundenen Keramiken osmanischer
Herkunft einen Einfluß der Seldschuken nachgewiesen. Jüngste
Forschungsberichte haben gezeigt, daß das bei den ausgegrabenen
harten weißen Keramiken verwendete Material das gleiche
war, aus dem das zur Herrschaftszeit der Osmanen bei Hofe
gebrauchte dünne Porzellan hergestellt wurde. Blau und weiß
waren die ersten Farben, die für die Produktion von Teekannen
und Wandfliesen Verwendung fanden. Im 16. Jh. kam als Farbe
Türkis hinzu. Rote Farbtöne wurden für die Wandfliesen der
Gebetsnische in der Süleymaniye-Moschee in einer den Stil
der osmanischen Periode widerspiegelnden Weise benutzt.
Keramikfliesen und –geschirr aus Iznik wurden in der osmanischen
Periode auch zur Insel Rhodos exportiert, die in jener Zeit
türkisches Herrschaftsgebiet war.
Der berühmte Reisende Evliya Celebi berichtet uns, daß im 17. JH. allein
in Iznik 300 Keramikwerkstätten angesiedelt seien. Diese
Zahl wurde durch die gemachten Ausgrabungen bestätigt; gleichzeitig
vermittelten die Ausgrabungen auch Informationen über die
Bedeutung der Keramikproduktion für diese Stadt. Um die
Keramikfliesen aus Iznik ranken sich viele Legenden und
Erzählungen. Die bekannteste und am meisten wiedergegebene
dieser Geschichten ist die über den Gebrauch der Keramikfliesen
in vielen Moscheen und Grabmälern Istanbuls, der durch die
Osmanenherrschaft beeinflußt worden sei. Trotz der Tatsache,
daß zu Beginn des 20. Jhs. sich die Bevölkerung von Iznik
zu einem großen Teil aus Griechen und Armeniern zusammensetzte,
die vor allem Vieh- und Seidenraupenzucht betrieben, wurde
die Stadt doch allmählich mehr und mehr türkisiert.
Während
der Zeit des türkischen Befreiungskrieges erlebte Iznik
eine bewegte Periode. Die Stadt wurde von Griechen besetzt
und brannte aus, so daß die Bevölkerung gezwungen war, aus
der Stadt zu fliehen.
Nach der Verkündigung der Unabhängigkeit der Republik Türkei wurden
Stadt und Umgebung zu einem Siedlungszentrum für die aus
Griechenland und Thrakien in die Türkei gekommenen Flüchtlinge.
Was den weltweiten Bekanntsheitsgrad der Keramikfliesen von Iznik angeht,
so ist die Ursache dafür in den nachfolgend aufgeführten
Umständen zu suchen :
- Die bei der Herstellung von Keramikfliesen aus Iznik verwendete Grundfarbe
ist ein helles Weiß. Die Fliesen wurden durch eine besondere
Brenntechnik gefertigt.
- 70-80 % aller aus Iznik stammenden Keramikfliesen sind aus Quarz und
Quarzit. Die Härte der Fliese erklärt sich aus der gleichzeitigen
Verwendung von drei Quarzen und der darauf aufgetragenen
besonderen Glasur. Diese Mischung wird bei 900 °C gebrannt.
- Als Ergebnis langwieriger Forschungsarbeiten hat sich gezeigt, daß
die an der Fliese durch Wärme verursachten Probleme unter
Verwendung von Quarz und Bergkristall gelöst werden konnten.
Die als Ergebnis diese Prozesses entstehende Fliese besteht
aus Quarz, das durch die gleichzeitige Verwendung von
mehreren Arten Gesteins entstanden ist.
- Im Gegensatz zu allgemeinen Regeln der Keramikbearbeitung wird sie
auf eine besondere Weise hergestellt. Die Art und Weise
der Herstellung ist eine Diletation in heißer und kalter
sowie einer unter dem Gefrierpunkt liegenden Umgebung.
- Da die Keramikfliesen aus Iznik als Ergebnis einer Verbindung mehrerer
Produktionsstufen entstanden sind, zeigen sie auch in
der Farbgebung eine harmonische Vielfalt. Vorherrschende
Farbtöne sind dunkel- und hellblau, türkisgrün, korallenrot
und jadegrün.
- Die Herstellung gewisser Farbtöne, die sich auf den Keramikfliesen
wiederfinden, darunter z.B. korallenrot, ist sehr schwierig.
Neben den gewonnenen Farbtönen werden auch hellweiß und
undurchsichtige Farbtöne benutzt. Die Verwendung opaquer
oder ockerfarbener Töne erlaubt durch die unterschiedliche
Brechung des Lichts und der Absorbierung eines Teils der
Lichtstrahlen eine deutlichere Wiedergabe von Farbansichten
und –tönen. Die Verwendung dieses Farbtons dient auch
gleichzeitig dem Schutz der Keramikfliese.
- Auf den Keramikfliesen zu erkennende Schriftzüge sind der islamischen
Tradition entnommen.
- Um den Geheimnissen dieser in Iznik gefertigten Keramikfliesen auf
die Spur zu kommen, haben für verschiedene Stiftungen
arbeitende Forscher versucht, das Muster dieser klassischen
Keramikfliesen nachzubilden. Wie sich aus einer näheren
Untersuchung der Fliesen ergab, werden traditionelle Herstellungsmethoden
auch heute noch verwendet. Um die Charakteristika der
Keramikfliesen aus Iznik nicht zu zerstören, bemüht sich
die Iznik-Stiftung um eine Fortführung der im 16. Jh.
gebräuchlichen technischen Details und ringt sich mit
allen Kräften darum, das Wesen dieser Keramikfliesen wieder
zu neuem Leben zu erwecken.
- Die bei der Herstellung obiger Fliesen Verwendung findenden Technologieprozesse
entstanden infolge einer natürlichen Synthese; diesen
Hestellungsvorgang zu bewahren, ist ein unbedingtes Erfordernis.
Im Jahre 1989 erfuhren die Keramikfliesen von Iznik einen neuerlichen
Aufschwung ihrer Bedeutung, und zwar durch die Abhaltung
von diesbezüglichen Symposien und internationalen Ausstellungen
in der Stadt selbst sowie durch die Veröffentlichung von
Büchern, die eine Neubehandlung diese Themas ermöglichten.
Heutige Keramikflliesen aus Iznik :
Auf
dem Höhepunkt ihrer Bedeutung im 16. Jh. begann man, Keramikfliesen
aus Iznik wegen der bei der Herstellung verwendeten Technik
und aufgrund ihres prächtigen Aussehens in den Museen dieser
Welt auszustellen.
In seit etwa 20 Jahren währenden Ausgrabungen, die von der Abteilung
für Archäologie der Universität Istanbul in den früheren
Ziegel- und kalkbrennereien von Iznik durchgeführt wurden,
hat man wichtige Hinweise für künstlerische Ausprägungen
und die dabei verwendeten Technologien während des Herstellungsprozesses
dieser Keramikfliesen erhalten. Die im Jahre 1996 eingerichteten
Keramikwerkstätten, die 1993 gegründete Iznik-Stiftung und
das im Jahre 1995 eingerichtete Forschungszentrum für Fliesen
und Keramik haben sich nach Kräften bemüht, Art und Struktur
der aus dem 16.Jh. stammenden Fliesen nachzubilden.
Auch bei aus alten Gräbern erzielten Funden ist so manches Beispiel
für Keramikfliesen-Kunst ans Tageslicht getreten.
Auf diese Weise wuchs die Bedeutung obiger Keramikfliesen und der zu
ihrer Herstellung verwendeten Materialien von Tag zu Tag.
Ausgrabungen haben ergeben, daß das für die Herstellung der Fliesen
verwendete Material das gleiche Quarz ist, wie es bei der
Herstellung von Porzellan gebraucht wird. Diese und andere
Ergebnisse haben dazu geführt, daß sich Forschungszentren
und Wissenschaftler vermehrt der wissenschaftlichen Untersuchung
von Keramikfliesen aus Iznik zuwandten.
Die
Iznik-Stiftung unterstützt andere wissenschaftliche Stiftungen
und solche Organisationen wie TÜBITAK (Forschungszentrum
der Marmara-Universität), die Istanbuler Technische Universität
und die Universität Istanbul in ihren Bemühungen, durch
Forschungen die Kunst der Keramikfliesen-Herstellung noch
genauer zu erhellen und einem breiteren Publikum bekannt
zu machen. Des weiteren unterstützt die vorgenannte Stiftung
auch das Massachusetts-Forschungsinstitut in Amerika und
die in die Strukturen der Universität Princeton eingebundenen
Forschungszentren.
Iznik-Keramikfliesen werden heute bei der Dekoration alter und neuer
Gebäude vielfach verwendet.
Die Iznik-Stiftung wurde mit dem Ziel gegründet, die Kunst der Keramikfliesen-
Herstellung weltweit bekannt zu machen, kommenden Generationen
dieses Kulturerbe nahezubringen und Aktivitäten auf verschiedenen
Gebieten einschließlich Ausbildungsprogramme durchzuführen.
Die Iznik-Stiftung setzt sich aus drei Abteilungen zusammen
: ein Berufsschulzentrum, ein Forschungszentrum für Fliesen
und Keramik sowie Keramikwerkstätten. Im Istanbuler Stadtteil
Kurucesme befindet sich weiterhin ein Verbindungsbüro.
Das
eigentliche Ziel der Stiftung ist es nicht, die im 16. Jh.
hergestellten Fliesen einzeln wieder zu produzieren, sondern
bei der Produktion den Originalvorlagen so nahe wie möglich
zu kommen.
Bei der Herstellung von Iznik-Keramikfliesen werden auch heute noch
die im 16. Jh. zur Anwendung gelangten Produktionsmethoden
benutzt, wobei vor allem darauf geachtet wird, daß diese
Fliesen nicht den guten Ruf, den sie sich bis heute weltweit
erworben haben, verlieren. Die Iznik-Stiftung untestützt
ferner Vorhaben wie Grabungen in und um Iznik, Forschungen
auf archäologischem Gebiet sowie Schutz und Pflege der historischen
Vergangenheit von Iznik. Auch bemüht sie sich um den Schutz
und die Erhaltung von Fliesen, die in türkischen und ausländischen
Museen ausgestellt sind.
Zehn Jahre nach der ersten Austellung von Keramikfliesen aus Iznik
wurde für das Jahr 1999 die zweite dieser Ausstellungen
geplant. Diese Ausstellung soll im Rahmen der Veranstaltungen
stattfinden, die die Gründungsfeierlichkeiten aus Anlaß
des 700-jährigen Bestehens des Osmanischen Reiches zum Inhalt
haben.
Bis
heute haben insgesamt 70 Personen eine Ausbildung betreffend
die Herstellungstechniken von Keramikfliesen aus Iznik erhalten.
Die Kurse wurden ohne Erhebung von Kursgebühren veranstaltet.
In der Türkei und in vielen ausländischen Staaten wurden
diesbezügliche Sommerkurse eingerichtet. Die Stiftung plant
des weiteren den Bau einer Universität in Iznik, die sich
mit solchen Themenbereichen wie Archäologie, Kunstgeschichte
und Keramikfliesen-Herstellung befassen soll.
Osman
Gazi (1326-1362) war der erste, von dem bekannt ist, daß
er innerhalb des Osmanischen Reiches die Einrichtung einer
Hochschule (technischen Berufsschule) gefördert hat. Er
ließ des weiteren in Iznik, Bursa, Akacaova, in Sapanca
und in Izmit Hochschulen erbauen, die für die Ausbildung
von Lehrern (im besonderen Religionslehrer) verantwortlich
waren. Diese stellten die Vorläufer der später im Osmanischen
Reich gegründeten neuen Ausbildungszentren dar.
Im Jahre 1331 wurden in Iznik die erste Hochschule sowie eine dazu
gehörige Moschee erbaut. Der erste Titel, der ihn als Lehrer
auswies, wurde im Jahre 1333 an Davud aus Kayseri verliehen.
Obige Hochschule wurde imitiert durch die vor 1357 erbaute
und noch heute besondere Charakteristika aufweisende Süleyman-Pasa-Hochschule
sowie von der in Bursa nördlich der Grünen Moschee gelegenen
Hayrettin-Pasa-Hochschule. Einer der wichtigsten Gründe,
die die Iznik-Stiftung zur Errichtung einer Universität
veranlaßt haben, ist daher in der Pflege und Bewahrung dieser
historischen Örtlichkeiten zu suchen.
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