Geschichte von Kirkpinar
Hinsichtlich
der Entstehung der Ringkämpfe von Kirkpinar, deren 633.
Wettkampf in diesem Jahr absolviert wurde, kursieren verschiedene
Legenden und Erzählungen. Die bekanntesten unter ihnen sind
die folgenden :
Während eines
Feldzuges, den Orhan Gazi im Jahre 1346 zwecks Eroberung
des Gebietes Rumelien unternommen hatte, rückt sein Bruder
Süleyman Pasa mit 40 Soldaten gegen die unter byzantinischer
Herrschaft stehende Festung Domuzhisar vor und vermag sie
durch einen Überaschungsangriff zu erobern. Nachdem er auch
die übrigen Festungen in seine Hand bekommen hat, kehrt
der 40 Mann starke Vortrupp zurück und rastet in Samona,
einem heute auf griechischem Territorium liegenden Ort.
Die 40 Soldaten ringen hier miteinander. Nach stundenlangen
Ringkämpfen wird deutlich, daß bei zwei miteinander ringenden
Brüdern, Ali und Selim, der Sieger einfach nicht zu bestimmen
ist.
Später, an einem
Tag des Frühlingsfestes, ringen diese beiden nochmals miteinander
am Ahiköy-Fluß in der Nähe von Edirne. Trotz der den ganzen
Tag über dauernden Ringkämpfe geht aus dem Brüderpaar kein
Sieger hervor; deshalb beschließen diese, auch während der
Nacht bei Kerzenschein weiter zu ringen. Völlig kraftlos
und außer Atem, lassen sie am gleichen Ort ihr Leben.
Ihre Kameraden
begraben sie vor Verlassen des Ortes hier unter einem Feigenbaum.
Viele Jahre später sehen sie bei einem erneuten Besuch dieses
Ortes an der Stelle des Grabes der beiden Helden eine kräftig
dahinfließende Quelle entspringen. Später verbreitet sich
im Volk der Name "Kirkpinar" für diese Gegend im Angedenken
an die hier Begrabenen.
Das Gelände im
heute zu Griechenland gehörenden Dorf Samona ist die eigentliche
Gegend von Kirkpinar. Nach den Balkankriegen und nach Beendigung
des 1. Weltkrieges wurden die Ringkämpfe von Kirkpinar in
dem an der Straße von Edirne nach Mustafapasa liegenden
Ort mit früherem Namen "Virantekke" durchgeführt.
Im Jahre 1924
wurde die Ringkämpfe in der Gegend von Sarayici bei Edirne
veranstaltet.
Bis zum Jahre
1928 wurden die Ringkämpfe von Kirkpinar durch Großgrundbesitzer
abgehalten. Bei diesen Wettkämpfen zu gewinnende Medaillen
sowie die Unterhaltung der Gäste wurde allein von ihnen
bestritten. Aber die nach 1928 sich verschlechternden wirtschaftlichen
Zustände ließen die Zahl der Anwärter auf Großgrundbesitz
schwinden, so daß die Organisation der Wettkämpfe und die
Unterhaltung der Zuschauer nun vom Roten Halbmond und der
Einrichtung der Waisenhäuser übernommen wurde.
Im Jahre 1946
schließlich richtete die Stadtverwaltung von Edirne die
Wettkämpfe von Kirkpinar aus. In diesem Jahr fügte auch
der Bürgermeister der Stadt, Tahsin Sipka, die Ringkämpfe
von Kirkpinar in die der Stadtverwaltung obliegenden Dienstleistungen
ein.
Ringkämpfe von Kirkpinar
yagligures1.mpg (5.5 MB)
yagligures2.mpg (760 KB)
yagligures3.mpg (2.1 MB)
Pehlivan
Das Wort Pehlivan
ist persischen Ursprungs. Nach Auskunft des persischen Wörterbuchs
Burhan-i Kati ist seine eigentliche Bedeutung "mutig, tapfer,
redegewandt". Aber auch in den Diensten des Staates stehende
Personen sowie solche mit kräftigem Körperbau und der Wahrheit
zugeneigte Personen werden als "Pehlivan" bezeichnet. Aus
diesem Grunde wurde das Wort zu veschiedenen Zeiten auf
unterschiedliche Personengruppen angewandt.
Zur Zeit der
Seldschuken bezeichnete man ihre Tapferkeit zur Schau stellende
Krieger, erfolgreiche Pfeilschützen oder Ringer und auch
kräftig gebaute Personen mit diesem Wort. Aber bereits zu
Beginn des 16. Jhs. wurde es nur noch auf Sportler bezogen
gebraucht, und in dieser Bedeutung hielt sich das Wort bis
zum Ende der Herrschaftsperiode Mahmuts II.
Türkische Männer,
Frauen und Kinder sind von Ringkämpfen begeistert, verehren
die Ringkämpfer und gestehen ihnen eine besondere Rolle
zu. Ohne Zweifel ruht diese Hinwendung und dieser Respekt
in den kämpferischen und heldenhaften Gefühlen der türkischen
Seele, was auch der Grund für die Fortführung dieser Sportart
bis heute ist. Die den Ringern entgegen gebrachte Zuneigung
und Freundschaft hat ihren Ursprung in der Tatsache, daß
der Ringer kräftiger als andere gebaut ist, sein Körperbau
und seine Muskeln entwickelter sind, er somit einen gesünderen
Anblick darbietet, sein Verhalten heldenhaft, sein Charakter
ehrlich und männlich ist, er des weiteren Herr über seine
Zunge, seine Hand und seinen Körper ist.
In der Osmanenzeit
außerhalb des Palastes veranstaltete Ringkämpfe wurden meistens
auf Märkten und Messen, bei Hochzeiten, zum Nutzen bestimmter
Organisationen oder wohltätigen Einrichtungen oder von sich
darauf spezialisiert habenden Organisatoren an eigens dafür
bereitgestellten Orten und Plätzen durchgeführt. Im Laufe
der Zeit bildeten sich besondere Hochzeits-Ringkämpfe, Ramazan-Ringkämpfe
und zu wohltätigen Zwecken veranstaltete Ringkämpfe heraus.
Zurück
zu der Stadt Edirne
Regionale
Proben